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Deutsche Neutronenstreutagung 2020

Nachlese

 

Die Deutsche Neutronenstreuungskonferenz 2020 fand vom 9. bis 10. Dezember 2020 virtuell in Garching statt. Aufgrund der Covid-19-Pandemie war ein persönliches Treffen nicht möglich, und die Konferenz wurde vollständig online abgehalten. Organisiert wurde das Treffen vom Heinz Maier-Leibnitz-Zentrum (MLZ) und der Technischen Universität München (TUM) im Auftrag des Komitees für Forschung mit Neutronen (KFN) in Verbindung mit dem Nutzertreffen des MLZ. An der Deutschen Neutronenstreutagung 2020 nahmen neben Wissenschaftlern aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland auch Wissenschaftler aus Australien, Brasilien, Indien, Japan, Marokko, Russland und den Vereinigten Staaten teil. Insgesamt 400 TeilnehmerInnen diskutierten lebhaft über Methoden- und Instrumentenentwicklungen und Erkenntnisse von grundlegenden Mechanismen bis hin zu technischen Anwendungen und Innovationen, die erst durch Neutronenexperimente möglich wurden. Die Hauptthemen, die in 35 Spezialvorträgen vorgestellt wurden, waren Materialwissenschaft, Instrumentierung, Magnetismus/Weiche Materie, Life Science/Biologie und Digitalisierung/Maschinelles Lernen. Sechs eingeladene Sprecher beschäftigten sich zusätzlich mit neuartigen Neutroneninstrumenten, stimuli-responsiven Polymer-Mikrogelen, dem Neutronen-Beta-Zerfall, neuartigen Lumineszenzmaterialien, Disorder in dreieckigen Antiferromagneten und der Strukturdynamik von Proteinen. Die gemeinsame Postersession mit dem MLZ User Meeting war mit fast 160 Postern und lebhaften Diskussionen trotz des Online-Formats ein großer Erfolg. Außerdem wurde das neueste KFN-Strategiepapier von Dr. Astrid Schneidewind, Vorsitzende des KFN, an Dr. Jürgen Kroseberg vom Bundesministerium für Bildung und Forschung übergeben. Zu guter Letzt wurde der 12. Vorstand des KFN dem Publikum vorgestellt.

Ein Höhepunkt der Tagung war die Verleihung des Wolfram-Prandl-Preises 2020 an Dr. Sabrina Disch (Universität zu Köln) für ihre herausragenden Forschungsarbeiten über den Aufbau, die Spinstruktur und die Dynamik magnetischer Nanopartikel und die aus ihrer Selbstorganisation resultierenden Strukturen. Während ihre Arbeiten grundlegende Herausforderungen bei der Synthese und dem Verständnis des Magnetismus auf der Nanometerskala adressieren, haben magnetische Nanopartikel ein hohes Anwendungspotenzial, zum Beispiel in der magnetischen Sensorik, in der Katalyse oder in der medizinischen Diagnostik und Therapie. Dr. Dischs Arbeiten sind beispielhaft für die komplementäre Anwendung von Synchrotronstreu- und Neutronenmethoden, für anspruchsvollste Methodenentwicklung in der Forschung mit Neutronen sowie für interdisziplinäres Arbeiten an der Grenze zwischen Chemie, Physik, Kristallographie und Materialwissenschaften. Sie entwickelt hochinnovative Methoden, wie Klein- und Weitwinkelstreuung an Nanomaterialien mit Polarisationsanalyse, Streuung mit einer Zeitauflösung im Sub-Millisekundenbereich und in-situ magneto-rheologische Kleinwinkelstreuung.

Die Neutronenforschung hat in Garching eine lange Tradition, und viele Forscher aus mehreren Fakultäten der TUM sowie aus den anderen Universitäten und Forschungszentren der Region München sind häufige Nutzer am MLZ. Sie wird durch die kontinuierliche Verbesserung der vorhandenen Instrumentierung sowie die Installation neuer Geräte, insbesondere in der neuen Neutronenleiterhalle Ost, weiter gestärkt. Darüber hinaus gibt es enge Verbindungen zur kommenden Europäischen Spallationsquelle (ESS), die in Lund (Schweden) gebaut wird. Das nächste internationale Treffen wird die ICNS 2022 in Buenos Aires (Argentinien) sein, und wir hoffen, dass wir uns dort persönlich treffen können. Wir freuen uns auf spannende neue Möglichkeiten in dem schon jetzt sehr aktiven und produktiven Bereich der Neutronenforschung!

Christine M. Papadakis, Technische Universität München

Ina Lommatzsch, Heinz Maier-Leibnitz-Zentrum, Garching

Astrid Schneidewind, KFN chair, Heinz Maier-Leibnitz-Zentrum, Garching

Regine v. Klitzing, KFN, Technische Universität Darmstadt

Karin Griewatsch, KFN, Helmholtz-Zentrum Geesthacht

 

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