43. KFN-Sitzung

Komitee Forschung mit Neutronen

Montag, 3. Dezember 2001, TU Darmstadt, Petersenstr. 23, 64287 Darmstadt

E R G E B N I S B E R I C H T

Von herausragender Bedeutung für die Zukunft der Neutronenforschung in Deutschland und Europa ist die Realisierung der Europäischen Spallations-Neutronenquelle ESS. Am 16. und 17.5.2002 wird das Projekt der Politik, der Presse sowie der wissenschaftlichen Öffentlichkeit in Bonn im alten Bundestag präsentiert. Unmittelbar vorher finden in Bonn die deutsche sowie diverse andere nationale Neutronenstreutagungen und Gremiensitzungen statt. Eine große Teilnehmerschaft aus ganz Europa wird erwartet. Nähere Informationen finden sich unter http://www.ess-europe.de. Das KFN appelliert an alle deutschen Neutronenstreuer, an der Veranstaltung teilzunehmen, um den anwesenden Politikern die Lebendigkeit und Bedeutung der Neutronenforschung zu demonstrieren. Die ESS stellt 100.000 EUR an Reisemitteln für die finanzielle Unterstützung der Teilnahme junger Wissenschaftler zur Verfügung.
In diesem Zusammenhang vertritt das KFN die Meinung, daß vermieden werden sollte, in Bonn zwei konkurrierende deutsche Standortvorschläge (Jülich, Halle-Saale Region) zu präsentieren.

Das KFN beschließt, in Bonn zum ersten Mal einen nach dem kürzlich verstorbenen Tübinger Wissenschaftler benannten "Wolfram-Prandl-Preis für Neutronenforschung" zu vergeben. Er soll zunächst von den Zentren und gegebenenfalls später von einem neu zu gründenden Verein finanziert werden.

Es wird beschlossen, die KFN Webseite (www.neutronenforschung.de) mit zusätzlichen Inhalten auszustatten. Hierzu gehören ab sofort Ergebnisberichte der KFN-Sitzungen, ein Papier zum wissenschaftlichen Nachwuchs, sowie eine Sparte "Aktuelles". Es wird darum gebeten, Beiträge zu dem letzten Punkt an den Webmaster (jneuhaus@frm2.tu-muenchen.de) zu schicken.

Im Rahmen der Aktivitäten des KFN zur Nachwuchswerbung und -Förderung soll eine pädagogische Webseite erstellt werden. Eine geeignete Persönlichkeit für diese anspruchsvolle Aufgabe muß noch gefunden werden.

Die Novellierung des Hochschulrahmengesetzes, in dem eine Befristung auf 6+6 Jahre (6 J. Promotion und Post-Doc-Zeit/6. J. Juniorprof.) unabhängig vom Arbeitgeber und Bundesland geregelt wird, wird kritisch diskutiert. Eine resultierende weitere Schädigung des Mittelbaus wird beklagt, und es wird beschlossen, hier initiativ zu werden (NB Brief Werner Press an BMBF vom 11.2.02). In diesem Zusammenhang wird die Verbesserung der Karriereaussichten für Instrumentenbauer diskutiert. Um den Übergang zur Hochschule zu erleichtern, sollte sich dieser Personenkreis an der Forschung (parallel zum Bau von Instrumenten) und Hochschullehre beteiligen können. Es wird darauf verwiesen, daß es von großer Bedeutung ist, in Konkurrenz mit der Industrie die 35-40-Jährigen in der Forschung zu halten, weil mit größeren Nachwuchszahlen frühestens wieder in etwa 10 Jahren zu rechnen sei. Anderenfalls droht ein weitgehender Kompetenzverlust.

Das KFN beschließt, eine Kommission einzurichten, die die Gründung einer nationalen Organisation der deutschen Neutronenforscher in Form eines eingetragenen Vereins vorbereiten soll. Hiervon wird mehrheitlich eine schlagkräftigere Interessenvertretung erwartet, sowie eine bessere Selbstorganisation der deutschen Neutronenstreuer. Allerdings ist noch eine Abstimmung mit anderen Komitees nötig. Da eine Vereinsgründung erst ca. 6 Monate nach Beantragung Rechtscharakter bekommen kann, ist eine Neuwahl des herkömmlichen KFN erforderlich. Um einen kontinuierlichen Übergang zu gewährleisten, sollte - wie bisher - etwa die Hälfte der 7 gewählten Mitglieder aus dem alten KFN kommen. Es wird aufgefordert, sich über die Kandidaten für die nächste KFN-Wahl (Nominierungs­veranstaltung im Mai in Bonn, s.o.) Gedanken zu machen. Dabei sollte auf Ausgewogenheit (Forschungsgebiete, Quellen, MPI's, Universitäten, Altersverteilung) geachtet werden. Zu viele Nennungen aus einem Gebiet können die Vertretung des Gebiets gefährden, da kein Kandidat genug Stimmen erhalten wird. Kandidatenvorschläge bitte an Herrn Feldmann, Jülich (e-mail: k.feldmann@fz-juelich.de) oder Herrn Press, ILL (Press@ill.fr) richten (siehe Satzung des KFN).

Ein Vertreter des HMI erläutert das dort beantragte Hochfeldmagnetlabor: Es sind 2 konventionelle Elektromagnete (einer mit horizontalem und einer mit vertikalem Feld bis zu 40 T ) geplant. Die notwendigen Investitionen liegen bei 47,4 Mio EUR, die jährlichen Betriebskosten bei 4,1 Mio EUR. Pro Jahr sind 2000 h Nutzungszeit mit und 2000 h ohne Neutronen vorgesehen. Es ist ein TOF-Diffraktometer / Spektrometer wahlweise mit kalten oder thermischen Neutronen (dazu wird die Kalte Quelle abgeschaltet) vorgesehen. Die neutronenfreie Zeit soll z.B. für NMR genutzt werden.

Der FRM-II ist im Prinzip betriebsbereit. Alle in-pile Teile inkl. kalter Quelle sind eingebaut. Im Oktober wurde eine Pressemitteilung veröffentlicht, nach der es eine Vereinbarung bzgl. der HEU-Thematik gibt, die mit der 3. Teilerrichtungsgenehmigung (TG) unterschrieben werden soll. Der Inhalt der Vereinbarung besteht darin, daß in 10 Jahren ohne wesentliche Änderungen an der Anlage eine Umrüstung auf niedriger (50%) angereicherte Brennelemente erfolgen soll, die bis dahin entwickelt werden müssen. Die Konditionierung der Brennelemente für das Endlager ist von Bayern zu bezahlen. Zur 3. TG: Die Begutachtungen durch Reaktorsicherheitskommision (RSK) und Strahlen­schutzkommission (SSK) sind gelaufen, die RSK hat das offizielle Ergebnis übermittelt; es wird bereits umgesetzt. Vom Gutachten der SSK werden keine neuen Hindernisse erwartet. Nachdem die Auflagen in die 3.TG eingearbeitet worden sind, bestehen 2 Möglichkeiten: entweder beauftragt der Bundesumweltminister (BMU) die bayrische Genehmigungsbehörde mit der Überwachung der Umsetzung der Auflagen, oder RSK und SSK werden zu einem neuen Gutachten aufgefordert. Letzteres würde eine erhebliche Verzögerung der 3. TG bedeuten und erscheint sachlich nicht gerechtfertigt. Es wird beschlossen, daß das KFN im Kanzleramt intervenieren wird, falls sich das zweite Szenario (nochmalige Begutachtung RSK/SSK) oder eine ähnliche Entwicklung abzeichnet.

Die Auslegung des FRM-II gegen Flugzeugabsturz entspricht der von Kernkraftwerken. Der FRM-II hat jedoch erhebliche zusätzliche Sicherheitsreserven.

Als Nachtrag zur ICNS wird berichtet, daß 968 Beiträge und 880 Teilnehmer registriert waren, davon u.a. 220 Beiträge aus Deutschland, 110 aus Frankreich (inkl. ILL), 100 aus Rußland, 110 aus Japan und 80 aus USA.

Von den Quellen wird folgendes berichtet:
GKSS erreicht dieses Jahr 270 Volllasttage. Der Primärkreislauf wird im Rahmen einer Abschaltung von Mitte Dezember bis voraussichtlich Mitte März erneuert. Die Modernisierungen der Instrumente läuft planmäßig weiter. Am HMI ist die Anzahl der Proposals leicht gestiegen, eine Überlast besteht hauptsächlich bei den Instrumenten in der Leiterhalle. Die Begutachtung des vorgeschlagenen Hochfeldmagnetlabors durch den Wissenschaftsrat steht an (s.o.). Am FZJ läuft zum Jahresende der neu eingeworbene "EU Access to Large Facilities" Vertrag an, mit dem die Messreisen von Gästen aus europäischen Ländern finanziell unterstützt werden können. Außerdem wird im Dezember die Begutachtung der ESS durch den Wissenschaftsrat erfolgen. Am ILL sind rd. 500 Proposals bei leicht fallendem deutschen Anteil eingegangen. Die heiße Quelle soll ab 4/2002 wieder zur Verfügung stehen. Ein "Userforum" hat weitgehende Zufriedenheit der Nutzer aufgezeigt. Es wird eine Kosten-Nutzen Analyse für einen technischen "out-of-hour-support" erstellt. Herr Dubbers hat das ILL zum 30.9. verlassen, Herr Carlile ist sein Nachfolger. Herr Press übernimmt die Stelle des deutschen Direktors des ILL (Projekte und Technik) ab 2.1.2002. Großbritannien steigert seinen Anteil auf 29% in 2002 und 31% in 2003 und wird danach (ab 2004) wieder gleichberechtigtes Mitglied. Die Fertigstellung von IN5 verzögert sich, IN8 hatte erstmals Neutronen.

Das KFN beschließt, die Fortsetzung der laufenden Kooperation zwischen dem BMBF und dem Forschungsreaktor in Dubna/Rußland zu unterstützen. Das gilt auch für die zweite kalte Quelle in Dubna, allerdings sieht das KFN dafür in naher Zukunft keine Finanzierungs­möglichkeit von deutscher Seite.

Die nächste Sitzung des KFN findet am 14. Mai 2002 in Bonn statt. Um zahlreiche Teilnahme deutscher Wissenschaftler in Bonn wird ausdrücklich gebeten.