44. KFN-Sitzung

Komitee Forschung mit Neutronen

Dienstag, 14. Mai 2002, Mineralogisch-Petrologisches Institut und Museum, Poppelsdorfer Schloss, 53115 Bonn

E R G E B N I S B E R I C H T

ESS-Projekt
Im Wissenschaftsrat wurde das ESS-Projekt und das Projekt des Hochfeldmagnetlabors am HMI begutachtet. Das KFN spricht sich mit höchster Priorität für eine positive Entscheidung zur Realisierung der ESS aus. Darüberhinaus begrüsst es natürlich besonders einen Standort der ESS in Deutschland. Die Präferenz des KFN bezüglich der Standortwahl für NRW/FZ Jülich wurde dem FZJ sowie dem HMI mitgeteilt.

"Wolfram-Prandl-Preis"
Unter 8 Vorschlägen von Wissenschaftlern, die alle unter 40 Jahren waren, wurde Frau Mechthild Enderle vom Preiskomitee als erste Preisträgerin ausgewählt. Die Preisverleihung erfolgt am Mittwoch 15. Mai auf der Neutronenstreutagung in Bonn.

Wissenschaftlicher Nachwuchs und Stellenbefristungen
Die ersten Erfahrungen und die Regelungen mit Juniorprofessuren an verschie­denen Universitäten wurden dargestellt und diskutiert. Als Vorteile werden die frühe Einbindung von Nachwuchswissenschaftlern in die eigenständige Forschung und Lehre angesehen. Nachteile sind die Stellenbe­fristungen für Juniorprofessoren mit unklaren Regelungen, die einhergehende Ein­sparung von Vollprofessuren, da Juniorprofessuren (nach 3 Jahren) volles Lehrdeputat haben und die oft nicht ausreichende Basis für die Forschung. Eine weitere Problematik besteht im Übergang von den Großforschungsein­richtungen zu den Universitäten, für den die Habilitation bisher der Brückenschlag war.

Gründung eines eingetragenen Vereins Neutronenforschung e.V.
Im Komitee für die Erforschung Kondensierter Materie (KEKM) wurde die Initiative des KFN zur Vereinsgründung mit Interesse aufgenommen. Als erforderlich wird jedoch eine hohe Beitrittsquote in Bereich von 90% der potentiellen Interessenten angesehen. Die wiederum ist allerdings nur schwer zu erreichen. Das Komitee Synchotronstrahlung beabsichtigt keine Vereinsgründung. Das KEKM stellt die Frage, ob eine Beschränkung auf die Gründung eines Fördervereins vorteilhaft wäre.
Das KFN sieht sich zur Zeit nicht imstande, ein einheitliches Votum zur Vereinsgründung abzugeben. Die Diskussion soll vor allem in einer Unterkommission weitergeführt werden. Auch soll bei der Neutronen­streutagung ein Meinungsbild ermittelt werden. Hohe Priorität wird schon jetzt einem Mitteilungsblatt für Neutronen gegeben, das u.a den Informationsfluss verbessern soll. Mittelfristig ist eine Papierform vorgesehen; später könnte ein Übergang zur elektronischen Publizierung erfolgen.
Allerdings muss noch jemand gefunden werden, der die Aufgabe übernimmt (wahrscheinlich mit Unterstützung eines Forschungszentrums).

Wahl des neuen KFN
Die Organisation der Wahl wird Herrn Feldmann übertragen. Die Adressenliste wird bis Ende Juni erstellt, die Wahl findet im September statt (drei Wochen Frist für Stimmenabgabe). Am 10. Oktober findet die konsti­tuierende Sitzung des neuen KFN in München statt. Vom jetzigen KFN sind die Herren Press und Fueß nicht mehr wählbar. Kandidaten aus dem jetzigen KFN sind die Herren Brückel, Graf, Heger, Petry und Loewenhaupt. Zusätzlich werden als Kandidaten genannt: Braden (Uni Köln), Willumeit (GKSS), Zimmer (TU München), Schober (ILL), Reimers (HMI), Schweika (FZJ) und Richtering (Uni Kiel). Es wird angeregt, die neuen Kandidaten kurz per E-mail anläßlich der Wahlaufforderung vorzustellen. Weitere Kandidaten können bei der Neutronenstreutagung oder auch später (bis 30. Juni 2002) benannt werden.

Themen zur Diskussion mit der Neutronennutzergemeinde in Bonn
Am Mittwoch , 15.5.02, 19:30 - ca. 21:00, ist eine KFN-Veranstaltung geplant. Folgende Themen sind vorgeschlagen: ESS (positives Votum des KFN, Standort), Info über Zentren, FRM-II, KFN Neuwahl, Nachwuchsdebatte, Vereinsgründung, Preisverleihung Wolfram-Prandl-Preis.

Berichte zu den Neutronenquellen
FRM-II:
Die vom BMU geforderten Unterlagen komplett mit einem Entwurf zum Bescheid 3.TG lagen im Juli 2000 dem BMU vor. Die Gutachterkomissionen des BMU, RSK und SSK, gaben im August 2001 beziehungsweise Dezember 2001 eine grundsätzlich positive Stellungnahme zum FRM-II ab und formulierten Empfehlungen. Am 31.1.2002 überreichte das BMU seine Stellungnahme zum FRM-II an das StMLU mit 64 Forderungen, welche über die Empfehlungen der Kommissionen in wesentlichen Punkten hinausgingen und forderten die Aufspaltung in zwei Genehmigungen. Diese Aufteilung wird nicht akzeptiert und der überarbeitete Bescheid geht im Sommer 2002 ans BMU.
Auf die BMU Stellungnahme zum FRM-II hin wurde ein Brief von den Herren Petry, Press und Laubereau (Dekan TUM) an den Bundeskanzler Schröder versandt, mit Anlage Unterschriftenliste der ICNS2001 in München.
Die vier vom BMBF geförderten Instrumente am FRM-II werden nach Aussage von Herrn Richter (BMBF) weiter gefördert um einen exzellenten Ausbau zu ermöglichen, nicht jedoch weitere Instrumente. Das KFN bedauert, daß die KWS-Apparatur und das Bio-Diffraktometer in der Förderung weiterhin fehlen. Diese Förderung wird auch vom Beirat des FRM-II unterstützt.
Im Instrumentierungsausschuß des FRM-II (Unterausschuß des Beirats des FRM-II) scheiden nach langjähriger Mitgliedschaft die Herren Schwalm und Heger aus. Das KFN schlägt gemäß der Satzung des Beirats des FRM-II als neue Mitglieder Herrn Dubbers (evtl. alternativ Herrn Geltenbort) und Frau Willumeit vor. Der Vorsitzende des Instrumentierungsausschusses, Herr Eckold, wird darüber informiert.

HMI:
Als Nachfolger von Herrn Steiner als Leiter der Abteilung Neutronenstreuung Magnetismus ist der Ruf ergangen an Martin Greven (Stanford). Ein zweiter Kryomagnet mit 15-17.5 T ist angeschafft worden. Der Bauplatz für die zweite Neutronenleiterhalle ist vorbereitet. Im Februar 2002 nahmen 36 Personen an dem Neutronenstreukurs teil.

GKSS:
Der Primärkühlkreislauf wird in einem Zeitraum von drei Monaten umfassend modernisiert.

FZJ:
Die fokussierende KWS-Anlage konnte erfolgreich in Betrieb genommen werden. Das Neutronenpraktikum fand vom 16.-27.9.2002 statt, eine Schule zum Thema "Polarisierte Neutronen" findet vom 11.-14.9.2002 mit anschließendem Workshop vom 16.-19.9.2002 statt.

ILL:
Im Zusammenhang mit Fragen der Erdbebensicherheit muß bis Ende 2005 nachgerüstet werden. Eine Konsequenz ist, daß in den nächsten 3 Jahren voraussichtlich im Mittel nur noch 3 Reaktorzyklen pro Jahr gefahren werden können. Die Kosten müssen zum Teil aus dem laufendem Haushalt erbracht werden. Das Millenniumprogramm soll möglichst voll erhalten bleiben. Das Instrument 'Vivaldi' mit Imageplates ist als erstes Millenniuminstrument fertiggestellt. Die Heiße Quelle wird frühestens im August 2002 wieder eingebaut. Der neue 10-Jahres Vertrag (2004-2013) zum Betrieb des ILL soll im Sommer 2002 unterschrieben werden.

Dubna:
Die Ausschreibungen zur Förderung der Neutronenstreuung in Dubna sind über die KFN Webseite (www.neutronenforschung.de) zugänglich. Der IBR2 Reaktor wird planmäßig während eines Jahres umgerüstet.

Deutsche Neutronenstreutagung und ESS/Europäisches Nutzertreffen
Zur Deutschen Neutronenstreu­tagung sind 160 Beiträge zur Neutronenstreutagung eingereicht worden; für die ESS Veranstaltung waren es 753, davon 357 von deutschen Autoren.

Die nächste Sitzung des KFN findet am Donnerstag 10.10.2002 in München statt, und zwar gemeinsam mit alten und neuen Mitgliedern des KFN.