52. KFN-Sitzung

Komitee Forschung mit Neutronen

Mitglieder des 6. KFN in Grenoble, 2005

Freitag, 24. 06. 2005, ILL, Grenoble

E R G E B N I S B E R I C H T

Allgemeine Themen:

DPG-Symposium: Das DPG-Symposium ("Perspectives of Research with Neutrons") am 08.03.05 in Berlin hat mit interessanten Übersichtsvorträgen ca. 200 Besucher angezogen.

Gemeinsame Tagung: Termin und Rahmen der gemeinsamen Tagung wurden bei der letzten KEKM-Sitzung angenommen. Als Name wurde NISSY (Forschung mit Neutronen-, Inonensonden und Synchrotronstrahlung) vorgeschlagen, aber nicht beschlossen. Alternativ wird der Titel "Deutsche Tagung für Forschung mit Synchrotronstrahlung, Neutronen und Ionenstrahlen an Großgeräten" (SNI 2006) vorgeschlagen. Das Programmkomitee soll aus je einem Vertreter der Komitees und ein oder zwei lokalen Organisatoren bestehen (GKSS / DESY). Der nächste KFN-Vorsitzende sollte den Tagungsvorsitz übernehmen und als KFN- Vertreter im Programmkomitee fungieren.

ENSA-Sitzung: Am 28.02. hat eine ENSA-Sitzung in Paris stattgefunden. An der ENSA-Umfrage zur Neutronenforschung haben 642 Personen und 120 Gruppen teilgenommen, das entspricht etwa 1200- 1800 Wissenschaftlern. Die Auswertung läuft, die Ergebnisse für die deutschen Teilnehmer sind denen aus der nationalen Umfrage ähnlich.

Studsvik (NFL) und ESS-Scandinavia: Der Reaktor in Studsvik (Schweden) sollte am 16.06.2005 abgeschaltet werden. Schweden beteiligt sich am ILL und führt auch mit ISIS Verhandlungen. Der Bericht des Beauftragten der Schwedischen Regierung zur Beurteilung der ESS Allan Larsson ist seit dem 22.06. im Internet zu finden.

ESFRI (European Strategy Forum on Research Infrastructures): Das ESFRI erarbeitet eine "European Infrastructure Roadmap". Für die einzelnen Bereiche wurden Beauftragte berufen, die Arbeitsgruppen einrichten können. Herr Rizzuto (Elettra) ist für die Neutronenforschung zuständig. Er hat keine Arbeitsgruppe eingerichtet, da ihm schon Dokumente vorliegen, z.B. eine etwas aktualisierte Roadmap von 2002. Es wird vorgeschlagen, Herrn Rizzuto weitere und aktuellere Informationen zukommen zu lassen, außerdem sollten sich die Komitees und Zentrenleiter in dieser Sache engagieren.

Ressort Infrastruktur und Instrumentierung: Für Dubna sind das Upgrade von 1 bis 2 Instrumenten sowie der Bau neuer Neutronenleiter angedacht. Das Textur- und Straininstrument benötigt große Investitionen. Das KFN hat eine fachlich-methodische Betreuung durch Experten vom HMI und FZJ angeboten. Außerdem geht es um ein Reflektometer. Zu beiden Instrumenten wird am GFZ Potsdam ein Workshop am 5. und 6. September stattfinden.

Für die geplante BMBF-Förderung für ein Instrument an der ISIS Second Target Station kann das KFN nur ein offenes Begutachtungsverfahren akzeptieren, in dem das Projekt nach wissenschaftlichen Kriterien in Konkurrenz zu andern Verbundprojekten begutachtet wird. Weiterhin darf die instrumentelle Ausstattung der nationalen Quellen nicht nachrangig behandelt werden, da diese die Hauptlast der Experimente deutscher Nutzer tragen werden.

NMI3: Im April hat als Satellit der European Geosciences Union-Tagung in Wien ein Workshop zu Neutronen in den Geowissenschaften stattgefunden. Die NMI3-Proposalrunde für Konferenzen, Workshops und Schulen läuft noch bis Ende Juli.

GENNESYS: In GENNESYS haben die Arbeitsgruppen Material geliefert. Es ist geplant, im September eine "Executive Summary" (White Book) herauszugeben, das Green Book soll dann nächstes Jahr fertig werden.

KFN-Strategiepapier: Gemeinsam erarbeiten die KFN-Mitglieder Änderungen am Kapitel "Perspektiven und Empfehlungen des KFN". Anschließend wird der Text einstimmig angenommen. Nach weiteren kleinen Änderungen in anderen Kapiteln wird über die grundsätzliche Zustimmung zum Entwurf des Strategiepapiers abgestimmt, er wird einstimmig angenommen. Die Empfehlungen sollen in derselben Broschüre auch auf Englisch wiedergegeben werden.

Neuigkeiten von den nationalen Quellen:

FRG-1:

Am GKSS-Forschungszentrum wurde ein neues Reflektometer (NERO) eingeweiht. Das Eigenspannungs-Diffraktometer ARES hat einen Faktor 3 gewonnen, für den Jahreswechsel ist ein Umbau der Probenumgebung für größere, schwerere Proben vorgesehen.
Das Engagement am FRM-II macht konkrete Forschritte: Mit dem HMI wurde ein Vertrag zur Kollaboration am STRESSPEC abgeschlossen, und es wurde ein neuer Mitarbeiter eingestellt. Die Beteiligung an der neuen SANS-Anlage ist beschlossen und erfolgt zunächst im Rahmen einer engen Zusammenarbeit bei der Konstruktion der Kollimationsstrecke. REFSANS ist quasi in Betrieb.

FRM-II:

Die Neutronenleiter sind derart in die Neutronenleiterhalle aufgefächert, dass annähernd alle Instrumente an Endpositionen aufgestellt sind. Bis zu 18 Instrumente können derart in der Neutronenleiterhalle aufgestellt werden.
Flussmessungen an den Neutronenleitern bei Teilfüllung der kalten Quelle haben ergeben:
NL1: 8,5 x 109 n/cm2/s (extrapoliert auf 20 MW)
NL2: 1,8 x 109 n/cm2/s (extrapoliert auf 20 MW)
NL3: 4,9 x 109 n/cm2/s (extrapoliert auf 20 MW)
NL4: 2 x 1010 kalte Neutronen "capture flux"(extrapoliert auf 20 MW)
Etwa 14 Instrumente laufen mit Nutzern.
Die Jülicher Instrumente werden durch den höheren Fluss und Upgrades um Faktoren zwischen 10 und 100 gewinnen.
Am 4. Juli beginnt der Bau der Erweiterung nach Osten hinter der Experimentierhalle.
Da für dieses und nächstes Jahr 16 Mio EUR beantragt und nur 10,3 Mio EUR bewilligt wurden, gibt es einen Personal- und Finanzengpass.

BER-II:

Der Ausbau der Neutronenleiterhalle II schreitet voran, die kernnahen Einbauten sind installiert.
Im Februar fand ein Neutronenkurs mit 20 externen Teilnehmern an 6 Geräten statt.

FRJ-2:

Der Nutzerbetrieb am FZJ insgesamt nimmt zu, dabei kommen auch viele Nutzer aus Ländern, die selber Quellen betreiben - auch das Access-Programm zeigt einen Anstieg der Nachfrage. Die hohe internationale Nachfrage belegt die Attraktivität der Jülicher Instrumente.
Der Reaktor wird im Mai 2006 stillgelegt. Die Neutronenstreu-Aktivitäten werden im "Jülich Centre for Neutron Science" (JCNS) gebündelt, mit Außenstellen an FRM-II, ILL und SNS. Ab 2008 sollen 32 Personen in München arbeiten.
Die Platzierung der Instrumente in der Neutronenleiterhalle in München mit Auslegung des Leitersystems ist weitgehend abgeschlossen.
Das thermische Flugzeitspektrometer TOPAS ist in der Designphase.
Das SNS-Projekt ist weit gediehen und technisch völlig im Zeitplan.

Neuigkeiten von den internationalen Quellen:

ILL:

Am ILL wurde der dritte Zyklus pünktlich am 15. Juni gestartet. Er wird bis zum 04. August laufen, danach erfolgt eine lange Abschaltung, vermutlich bis Anfang/Mitte Juni 2006.
Einen Tag vor dem Anfahren wurde am 14. Juni eine Krisenübung inklusive Evakuierung des ILL durchgeführt. Solche Übungen sind in Frankreich alle drei Jahre vorgeschrieben.
2 Implosionen an Neutronenleitern werden in Zusammenarbeit mit NIST und LLB analysiert (dort ähnliche Zwischenfälle).
Neuer deutscher Direktor des ILL wird Richard Wagner (FZJ), im ersten Quartal 2006 wird er Nachfolger von Herrn Press als Projects & Techniques Director, ab 10/2006 wird er Direktor. Er wird auch der zukünftige Vertreter des ILL im KFN. Neuer Vorsitzender des Scientific Council wird Dieter Richter, Vorsitzender des Instrument Subcommittees wird Louis-Pierre Regnault.
Neuer Partner des ILL ist Schweden; mit Ungarn gibt es Verhandlungen, die kurz vor dem Abschluss stehen, Fortschritte auch mit Belgien.
Ein "Public Instrument Review" schlägt eine Verstärkung der Nutzung kalter und ultrakalter Neutronen vor. In diesem Zusammenhang wird erwogen, bis ca. 2010 eine dritte kalte Quelle zu bauen. Vor einer Entscheidung sollen User, Instrument Subcommittee und Scientific Council ausführlich konsultiert werden.
Im Millennium-Programm wurden 4-5 der geplanten neuen Projekte (IN5, IN16, FIGARO, Tomography, evtl. D11-detector) gestartet. 2005 wurden (werden) fertig: SALSA, D19-Detektor"banane", Flat Cone und die Paris-Edinburgh Druckzelle mit eigenem Kryostaten. Bis Jahresende 2005 werden ca. 20,5 Mio € ausgegeben (Personalkosten addieren sich dazu).
Die Messzeit von deutschen Wissenschaftlern war 2005 etwas geringer als im Vorjahr.

LLB: Das KFN empfiehlt, den Vorschlag anzunehmen, nach dem das LLB einen vom BMBF finanzierten 2-dimensionalen Detektor weiter nutzen kann, obwohl das Einkristalldiffraktometer, zu dem er angeschafft wurde, nicht mehr von der RWTH Aachen, sondern vom LLB betrieben wird. Die Eigentumsverhältnisse würden sich nicht ändern und deutsche Nutzer würden eine privilegierte Nutzung zugesichert bekommen. Der ursprünglich vorgesehene Transfer des Detektors an den FRM-II ist hinfällig, da dort bereits ein neuer Detektor angeschafft wurde.

Dubna: Die KFN-Mitglieder befürworten das Vorhaben des BMBF, die Finanzierung laufender Projekte ohne weitere Ausschreibung bis zum Shutdown 2007 zu verlängern. Danach sollen Mittel für das Upgrade von 2 Instrumenten zur Verfügung gestellt werden. Die Entscheidung zum Upgrade wird von der wissenschaftlichen Evaluation abhängen.

Termine:

14.07.2005: Auszählung der KFN-Wahlunterlagen
05.+06.09.2005: Dubna-Workshop am GFZ Potsdam