53. KFN-Sitzung

Komitee Forschung mit Neutronen

Montag, 17. 10. 2005, Forschungszentrum Jülich


E R G E B N I S B E R I C H T

Allgemeine Themen:

ENSA-Sitzung & NMI3-workshops: Das letzte ENSA-Treffen fand gemeinsam mit NMI3 in der letzten Septemberwoche am Rutherford Appleton Laboratory statt, im Zusammenhang mit Workshops der "Joint Research Activities", auf denen die Arbeit der letzten 2 Jahre vorgestellt wurde.

ENSA-Umfrage: Bei der ENSA-Umfrage haben sich 621 Personen und 120 Arbeitsgruppen beteiligt, je nach Überlappung entspricht das 1300 bis 1800 Personen, am wahrscheinlichsten etwa 1700. Die Ergebnisse zeigen nur leichte Verschiebungen im Vergleich zur letzten Umfrage. Sie werden in einem Bericht der European Science Foundation veröffentlicht.

ENSA-Initiativen: Kernaussagen von Allan Larssons Bericht zur Skandinavischen ESS-Initiative sind: Schwedische Wissenschaftler werden sich an einer ESS beteiligen, wo auch immer in Europa sie verwirklicht wird. Die ESS wird als ökonomischer Faktor für Schweden betrachtet. Für den Standort Lund in Schweden wird eine Langpulsquelle in erster Ausbaustufe vorgeschlagen. Die ENSA hat ein Schreiben an die schwedische Regierung geschickt, in dem sie ihre Unterstützung für alle ESS-Initiativen versichert.

Anstrengungen für eine ESS werden auch in Spanien unternommen. In England gibt es Empfehlung zum Ausbau des ILL und von ISIS.

ESFRI (European Strategy Forum on Research Infrastructures): Das ESFRI erarbeitet eine "Roadmap for Large Scale Facilities in Europe". Hierbei soll keine Priorisierung erfolgen, sondern das Papier soll eine "list of opportunities" werden. Für die Neutronennutzer ist es ein Anliegen, dass sich die ESS in dieser Roadmap wiederfindet. Inzwischen wurde eine Arbeitsgruppe für Neutronenforschung eingerichtet.

GENNESYS: Die Neutronen- und Synchrotron-Arbeitgruppe hat eine 15-seitige Roadmap geschrieben. Eine PR-Firma arbeitet an der Erstellung eines "White Paper".

KFN-Ressort Öffentlichkeitsarbeit: Frau Willumeit berichtet, dass der KFN-Verteiler ca. 930 E-Mail-Adressen umfasst. Im Gespräch mit Kollegen zeigte sich, dass die Rundmails gerne gelesen werden, es sollten aber nicht mehr sein. Auch die Homepage wird gut angenommen, und u.a. durch die Vorstellung der KFN-Kandidaten dort ist das KFN mehr ins Bewusstsein der Neutronennutzer gerückt. Herr Brückel resümiert, dass das Ressortmodell erfolgreich war.

KFN-Ressort Nutzer- und Nachwuchsförderung: Frau Griewatsch stellt den "Neutron Pathfinder" vor, eine Website, auf der potentielle Neutronennutzer eine Datenbank mit den europäischen Instrumenten abfragen können.

Vorstellung KFN-Strategiepapier: Der Vorabdruck des Strategiepapiers "Forschung mit Neutronen - Status und Perspektiven" wird verteilt. Einige KFN-Mitglieder bekunden Interesse and einer Übersetzung ins Englische. Es soll in Erfahrung gebracht werden, wie lange eine Übersetzung dauern würde und was sie kosten würde.

Das Strategiepapier soll zuerst verteilt und dann als pdf-Datei im Internet veröffentlicht werden. Die Druckauflage beträgt 1000 Exemplare.

Wahl des KFN-Vorsitzenden und des Stellvertreters: In der Klausur der Mitglieder des neuen, 7. KFN wird der Helmut Schober zum Vorsitzenden und Götz Eckold zum stellvertretenden Vorsitzender gewählt. Die Ressortverteilung wird beibehalten. Die Öffentlichkeitsarbeit wird weiterhin von Regine Willumeit übernommen, für Instrumentierung ist Herr Zabel zuständig und das Ressort "Nutzer- und Nachwuchsförderung" soll unter anderem Titel (Arbeitstitel: Ausbildung) und mit anderer Ausrichtung von Herrn Steitz geführt werden.

KFN-Kooptierungen: Es wird vorgeschlagen, Neutronenforscher zu kooptieren, die die Bereiche Geowissenschaften, Chemie, Stress/Strain und Tomographie abdecken. Die endgültige Entscheidung zu den Kooptierungen wird erst in der nächsten Sitzung erwartet. Herr Steitz schlägt vor, dass Herr Müller weiterhin kooptiert werden soll, da er mit dem Komitee Nutzer- und Nachwuchsförderung Erfahrung hat und ihn dann unterstützen kann, außerdem spricht dafür, dass Frau Griewatsch in Herrn Müllers Arbeitsgruppe angesiedelt ist.

ENSA- und KEKM-Vertreter: Die beiden KFN-Vorsitzenden werden das KFN in der ENSA vertreten. Die Aktivitäten von KEKM sind wegen der geplanten gemeinsamen Tagung im Moment besonders wichtig. Der KFN-Vertreter sollte KEKM-Vorsitzender werden. Herr Schober schlägt Herrn Zabel (zusätzlich zu Herrn Schober und in Vertretung Herrn Eckold) vor, dieser stimmt zu.

Tagung SNI 2006: Das Programmkomitee der "Deutschen Tagung für Forschung mit Synchrotronstrahlung, Neutronen und Ionen an Großgeräten" (SNI 2006) soll aus Herrn Pietsch (KFS), Herrn Hofsäß (KFSI), und Herrn Schober (KFN) bestehen, dazu kommt noch ein lokaler Vertreter (Frau Willumeit und/oder Herr Schreyer) und ein noch zu benennender Vertreter des DESY. Die Tagung findet vom 4. bis 6. Oktober 2006 im Hauptgebäude der Universität Hamburg statt. Es wird vorgeschlagen, jeweils morgens Plenarsitzungen abzuhalten und nachmittags Vorträge zu Synchrotronstrahlung, Neutronen und Ionen parallel laufen zu lassen. Mikrosymposien sollten die Komplementarität der Methoden unterstreichen. Das Programmkomitee wird die Themen mit Unterstützung des KFN erarbeiten. Ende des Jahres sollte der Prozess abgeschlossen sein, so dass Abstracts eingesammelt werden können.

Verbundforschung: Herr Graf stellt die Grundgedanken des Papiers zur Vorbundforschung vor, das er Anfang 2005 mit Herrn Feldmann, Herrn Heger und Herrn Schober erarbeitet hat. Nach Ansicht dieser Arbeitsgruppe ist es das Ziel der Verbundforschung, eine enge und kontinuierliche Zusammenarbeit von Universitäten und Zentren zu gewährleisten. Die bisherige Verbundforschung hat diesem Zweck hervorragend gedient. Die Eigeninteressen der Zentren und Universitäten waren gut austariert.

Die neuen Förderrichtlinien bedeuten einen Paradigmenwechsel. Es sollen "Leuchtturm-Instrumente" gebaut werden, die nur in der Pilotphase von den Universitäten betrieben werden und dann an die Zentren übergehen. Diese Förderrichtlinien laufen den Interessen der Zentren und der Universitäten entgegen.

Abschließend weist Herr Graf daraufhin, dass insbesondere für den FRM-II eine schwierige Situation entstehen kann, wenn die vier Verbundinstrumente, die schon länger als eine Periode gefördert werden, im April 2007 aus der Förderung herausfallen würden.

In der anschließenden Diskussion wird das vorliegende Papier als eine kompetente Stellungnahme eingeschätzt. Es wird außerdem erwartet, dass der Paradigmenwechsel dazu führen wird, dass die Universitäten kaum noch Anträge stellen werden.

Das Papier soll zusammen mit dem Strategiepapier beim BMBF übergeben und erläutert werden. Der Paradigmenwechsel sollte auch im KEKM diskutiert werden, wobei immer herausgestellt werden sollte, dass Neutronenforschung unter ganz anderen Vorraussetzungen erfolgt als Forschung mit Synchrotronstrahlung.

Instrumentierungsausschuss des FRM-II: Instrumentierungsausschuss des FRM-II: Herr Eckold bittet im Namen des FRM-II-Instrumentierungsausschusses um Vorschläge für die sechs nicht-bayerischen Mitglieder. Das KFN hat hierfür Vorschlagsrecht.

KFN-Webmaster: Die Stelle von Frau Griewatsch läuft am 28.02.2006 aus, soll jedoch aus Sicht des KFN weitergeführt werden. Die Möglichkeiten einer Finanzierung durch die Zentren oder die HGF sollen untersucht werden.

Neuigkeiten von den nationalen Quellen:
BER-II:

    Im September 2005 hat am HMI ein Nutzertreffen mit ca. 100 Teilnehmern, davon 60 externe, stattgefunden
    Die Fertigung der Neutronenleiter für die Neutronenleiterhalle 2 verzögert sich
    Vom 27.02. bis 03.03.06 findet die nächste Neutronenschule statt
    Ausbau der thermischen Instrumente in der Experimentierhalle:
    E1 (therm. Dreiachsenspektrometer) bekommt neue Monochromatorabschirmung für variable Einfallsenergie
    E2 wird mit vier Flächendetektoren ausgerüstet an Stelle der "Banane"
    E3 entspricht schon dem "state of the art"
    E4 bekommt einen Flächenzähler
    E6 bekommt zwei Flächenzähler
    E9: Planungen für eine neue Detektorbank mit langen Detektoren
    Der Leiter des Nutzerbüros, Herr Michaelsen, scheidet Ende Februar aus. Herr Graf übernimmt dann diese Funktion. Das KFN dankt Herrn Michaelsen für seine großartige Arbeit. Die Zusammenarbeit mit ihm wurde sehr geschätzt.

FRJ-2:

    Der DIDO-Reaktor läuft gut, von den ca. 200 Experimenten im Jahr werden ca. 60% von externen Nutzern durchgeführt. 1/3 der Nutzer kommen aus Deutschland, der Rest aus dem Ausland - gerade auch von Ländern mit eigenen Quellen wie Frankreich und USA - hauptsächlich von Universitäten, aber auch aus Forschungszentren. Das Access-Programm ist stark überbucht.
    Beim zweiwöchigen Neutronenpraktikum (12.-23.09.05) konnten 55 Teilnehmer aus 15 Ländern an 11 Instrumenten arbeiten. Das nächste Praktikum wird wegen des Shutdown im Mai 2006 auf den 13.-24.03.06 vorgezogen. Der Kurs 2007 soll wahrscheinlich am FRM-II stattfinden.
    Das "Jülich Centre for Neutron Science" (JCNS) mit Standbeinen am FRM-II, ILL und SNS wird gegründet, eine Feier dazu findet am 16./17.02.06 statt. Die Festveranstaltung wird Plenarsitzungen und wissenschaftliche Workshops einschließen.
    Die Instrumente der Außenstelle am FRM-II werden umfassen: RSSM, NSE, KWS-1, KWS-2, KWS-3, DNS, TOPAS (Flugzeitspektrometer mit Polarisationsanalyse für Einkristalle), MARIA (Reflektometer mit Polarisationsanalyse)
    An der FZJ Außenstelle in Garching wird 1/3 der Strahlzeit für Eigenforschung verwendet, 2/3 für Nutzer. Davon wird 1/3 vom Münchener Proposalkomitee begutachtet und 1/3 vom Jülicher Komitee. Jülich möchte auch am FRM-II sein eigenes EU Access-Programm beibehalten.

FRG-1:

    Am 14. September wurde das Neutronenreflektometer REFSANS eingeweiht.
    Letzte Woche fand eine Schule zu Streumethoden (Synchrotron und Neutronen) in den Materialwissenschaften statt
    Frau Willumeit bittet das KFN um eine Stellungnahme des KFN gegenüber der GKSS-Geschäftsführung zum geplanten neuen Moderatortopf für die kalte Quelle. Die Kosten können aus dem Reaktorbetrieb finanziert werden. Der Austausch würde Ende 2006 / Anfang 2007 stattfinden und würde für 5 Instrumente eine durchschnittliche Flusserhöhung von 60% (± 10%) zur Folge haben.
    Das KFN befürwortet die Anschaffung des neuen Moderatortopfes.

FRM-II:

    Im Jahr 2005 wird es 3 Zyklen geben, für 2006 sind 5 Zyklen geplant (260 Tage Volllast). Die zweite Proposalrunde ist gelaufen, die Messzeiten für die Zyklen 4-5 (2006) sind vergeben. Die nächste Proposalfrist ist am 20.01.2006 mit 19 ausgeschriebenen Instrumenten. Im 5. Zyklus werden auch N-REX und SPHERE für Nutzer zur Verfügung stehen.
    Für den Betrieb werden 50½ permanente Stellen gebraucht, davon werden 12 Stellen befristet zur Verfügung gestellt. Es fehlen also 37½ Stellen.
    In der neuen Ausschreibung für Forschung mit Hadronen und Kernen wird der FRM-II wieder nicht erwähnt, und zwar, weil der BMBF das Ziel erfolgt, Hadronen und Kerne an der GSI (Gesellschaft für Schwerionenforschung) zu konzentrieren. Die KFN-Mitglieder sind sich einig, dass die Konzentration am GSI nicht zum Ausschluss anderer Quellen führen sollte. Es wird beschlossen, sich in dieser Sache mit den anderen Komitees auszutauschen.

Neuigkeiten von den internationalen Quellen:

ILL:

    Seit dem 04.08.05 ist das ILL in einer ca. 10 Monate langen Abschaltphase für Baumaßnahmen im REFIT-Programm zur Erdbebensicherheit. Die Zeit wird auch für die Durchführung von Routinearbeiten und für die Fortführung des Millenniumprogramms genutzt. Im REFIT-Programm werden im Niveau D weitere 800 Tonnen Beton abgebaut, die Gebäude ILL22 und ILL7 werden vom Reaktorgebäude getrennt und das Gebäude ILL4 wird verstärkt. Strahlrohre und die ersten 15 m Neutronenleiter von H1/H2, das die gesamte Leiterhalle ILL7 mit Neutronen versorgt, werden erneuert. Im Rahmen des Millenniumprogramms ist eine dritte kalte Quelle mit Gradient im Sprektrum angedacht, außerdem thermische Neutronenleiter an H12. Das Instrumentenprogramm läuft weiter. Für 2006 ist der Baubeginn eines neuen Spin-Echo-Spektrometers geplant, 2007 soll PASTIS (thermisches Flugzeitspektrometer mit Polarisationsanalyse) folgen, danach ein Upgrade von IN14 und der Bau einer dritten Kleinwinkelstreuapparatur (D33). Weitere Instrumentneubauten und Infrastrukturmaßnahmen sind vorgesehen. Vom 27. bis 29. 04.2006 wird ein Millenniumsymposium stattfinden, mit einem Umfang von ca. 250-300 Teilnehmern unter intensiver Beteiligung der Nutzer.
    Konsequenz von zwei Implosonien von Neutronenleitern am ILL (H25 und H17): Gefährdete Teile der Neutronenleiter werden präventiv erneuert, nach Analyse von allen bekannten Implosionen am ILL, LLB und NIST.
    Seit Beginn 2005 ist Schweden Partner des ILL, seit Oktober auch Ungarn. Vielversprechende Verhandlungen laufen noch mit Belgien, den Niederlanden, Slowenien und Polen.
    Die Instrumente ADAM und BRISP sind vom Paradigmenwechsel in der Verbundforschung betroffen.

Dubna: Mit den BMBF-Fördergeldern der Jahre 2007-2010 sollen ein oder zwei Instrumente ausgebaut werden, die von deutschen Gruppen betrieben werden. In Frage kommen dafür das Textur- und Straininstrument Skat / Epsilon für geowissenschaftliche Anwendungen und ein Reflektometer (SPN-1, Remur) für Nanowissenschaften. Am 5. und 6.09.2005 fand am GFZ ein jeweils eintägiger Workshop statt: "Earthscience / Nanoscience with Neutrons at the IBR-II (Dubna)." Herr Graf berichtet von den Workshops und stellt fest, dass beide Ausbauprojekte zu sehr konkurrenzfähigen Instrumenten führen könnten. Die Einordnung in die internationale Forschungslandschaft wird jedoch erst nach Vorliegen der ausgearbeiteten Anträge möglich sein. Bei Skat / Epsilon besteht die Chance, ein führendes geowissenschaftliches Instrument aufzubauen, das dem Nutzerbetrieb weiter geöffnet werden sollte. Bei den Reflektometern sind die Gruppen weniger auf Dubna fixiert, und das Projekt, so wie es bisher vorgestellt wurde, erweckt eher den Eindruck einer Test-Plattform für neue Techniken.

Termine:

09.01.2006: 54. KFN-Sitzung in Göttingen