54. KFN-Sitzung

Komitee Forschung mit Neutronen

Mittwoch, 15. 02. 2006, Forschungszentrum Jülich


E R G E B N I S B E R I C H T

Allgemeine Themen:

Vorstellung der kooptierten Mitglieder: Die neuen kooptierten Mitglieder Herr Kuhs und Herr Ruschewitz stellen sich vor. Frau Pyzalla ist nicht anwesend.

Besuch beim BMBF: Am 22.11.2005 wurde das Strategiepapier des KFN ("Forschung mit Neutronen in Deutschland - Status und Perspektiven") beim BMBF übergeben. Bei dem Treffen wurde außerdem die KFN-Stellungnahme zur Verbundforschung überreicht, ohne die Inhalte zu diskutieren. Diskutiert wurde die Zukunft der Neutronenstreuung in Deutschland, es ergab sich ein guter Dialog.

Es wird beschlossen, eine englische Version des Strategiepapiers zu erstellen.

Sitzung der Kommission "Erforschung kondensierter Materie mit Großgeräten" (KEKM): Am 24.11.2005 fand eine KEKM-Sitzung statt, bei der Herr Zabel zum Vorsitzenden gewählt wurde. Herr Pietsch und Herr Hofsäss sind Stellvertreter.

Im Zusammenhang mit der Restrukturierung der DPG wurde vom KFN eine Stellungnahme zu der Idee einer fachübergreifenden Sektion erbeten.

In der nachfolgenden Diskussion zeigt sich, dass andere Wege, die Neutronen in den Arbeitkreisen zu verankern, für sinnvoller erachtet werden. Es wird angeregt, die Zentren auf Tagungen mit Ständen zu repräsentieren. Außerdem sollen Plenar- bzw. Übersichtsvorträge zu Neutronenstreuung in andere Bereiche eingebracht werden. Auch fachübergreifende Symposien, wie z.B. im das Symposium im März 2005 in Berlin, sind dazu geeignet, die Neutronenforschung vorzustellen.

ESFRI (European Strategy Forum on Research Infrastructures): Das ESFRI erarbeitet eine "Roadmap for Large Scale Facilities in Europe". Sowohl der Ausbau des ILL als auch das ESS-Projekt könnten in die "list of opportunities" aufgenommen und damit in Brüssel vorgetragen werden. Man war sich einig, dass für die ESS eine Langpulsvariante als Einstieg mit der potentiellen späteren Ergänzung durch eine Kurzpulsquelle der sinnvolle Weg ist.

NMI3 (Integrated Infrastructure Initiative for Neutron Scattering and Muon Spectroscopy): Im Rahmen von NMI3 werden Foresight- und Outreach-Studien finanziert. Die Projekte laufen erfolgreich. GENNESYS sollte in diesem Jahr zum Abschluss kommen. Durch diese Initiative ist das Interesse für horizontale Strukturen geweckt worden. Dies wird prinzipiell von den KFN-Mitgliedern begrüßt, die sich aber auch einig sind, dass derartige Strukturen nur bei zu erwartendem Mehrwert sinnvoll sind.

Nationale Gremien: Auf Bitte von Herrn Eckold macht das KFN Vorschläge für die nicht-bayerischen Mitglieder im Strategierat-Instrumentierunggsausschuss des FRM-II.

Verbundforschung: Herr Richter erklärt die derzeitige forschungspolitische Situation. Gemäß Koalitionsvertrag soll bis 2010 ein Stand erreicht werden, bei dem 3% des Bruttosozialproduktes für Forschung und Entwicklung ausgegeben werden. Bis 2009 will der Bund 6 Milliarden € (20%) zusätzlich ausgeben, um seinen Beitrag für das Erreichen dieses Zieles zu leisten. Insbesondere sollen die Besten gefördert werden (Exzellenz-Initiative) und die Projektförderung finanziell aufgestockt werden. Er geht davon aus, dass die Umsetzung des Ergebnisses der Koalitionsarbeitsgruppe zur Förderalismusreform auch zu Änderungen der Verbundforschung führen wird.

Ein künftiger Förderweg für den FRM-II könnte sich beispielsweise aus den Ergebnissen der Föderalismusreform ergeben. Hier spielt der Grundgesetzartikel 91b eine Rolle. Die Ergebnisse der Föderalismuskommission sollen bis zum Sommer umgesetzt werden. Der Bereich kondensierte Materie ist von den Neuregelungen aber erst in d er neuen Förderperiode, das heißt 2007, betroffen.

Es ist erklärtes Ziel, eine Form der Vollkostenfinanzierung in der Projektförderung an Hochschulen einzuführen. Um das zu erreichen, könnten die Antragssteller dann einen Overhead von - gegenwärtig in der Diskussion - bis zu 20% beantragen. Der Entwurf für den Haushalt 2006 soll am 22.02.2006 im Kabinett behandelt werden. Das Gesetz zum Haushalt 2006 ist erst für Juli 2006 zu erwarten.

Die Grundlagen des Förderansatzes in der Verbundforschung auf dem Gebiet "Kondensierte Materie" sind im Wesentlichen so geblieben wie in der letzten Ausschreibung. Es können weiterhin nicht der Routinebetrieb von Geräten, sondern nur der Bau von neuen Instrumenten und die Methodenentwicklung mit 100% vom BMBF gefördert werden.

Der Inhalt der 17 Antragsskizzen, die dem KFN zugegangen sind, wird vorgestellt. Die Auswertung der Antragsskizzen ist für die nächste KEKM-Sitzung am 13.04.06 vorgesehen.

SNI2006: Der Stand der Planung der SNI2006 wird vorgestellt. Die Webseite ist unter www.sni2006.de zu finden.

Der erste Aufruf wurde Mitte Januar über mehrere E-Mail-Verteiler verschickt (KFN, KFS, KFSI, DESY, GKSS, FZJ, FRM-II, GSI, HMI, BESSY, ANKA). Eine Besonderheit der Tagung ist die Schirmherrschaft von Senator Jörg Dräger und der Senatsempfang aller SNI2006-Teilnehmer im Hamburger Rathaus (Reden von Herrn Dräger, Herrn Austermann (Wissenschaftsminister S-H) + N.N. Vorher finden öffentliche Vorträge in der Universität statt ("SNI für Neugierige").

Die Tagung läuft über drei Tage mit Plenar- und Parallelsitzungen. Jeder Abstract soll von mindestens 2 Mitgliedern des Programmkomitees bewertet werden.

Termine:

    Voranmeldung bis 28.02.2006 (verlängert bis 15.06.2006)
    Einsendeschluß Abstracts 15.05.2006
    Bekanntgabe der angenommenen Abstracts 15.06.2006
    Frühbucherrabatt bis 30.06.2006 (60 / 80 €; 30 / 50 €)

Zukunft der KFN-Webseite: Herr Schober stellt fest, dass die KFN-Webseite ein neues Finanzierungsmodell braucht. Die Stelle von Frau Griewatsch läuft bis Ende April. Für die Zeit bis Ende des Jahres wurde ein Antrag beim BMBF gestellt, der allerdings nur die SNI2006 und WdP abdeckt.

Verschiedenes: Herr Eckold berichtet, dass Herr Wolfgang Schäfer letzte Woche im Alter von 63 Jahren verstorben ist. Es wird beschlossen, auf der KFN-Webseite einen Nachruf zu publizieren.

Neuigkeiten von den nationalen Quellen:

FRM-II: Am FRM-II läuft seit Mai 2005 der Routinebetrieb. Dieses Jahr wird im Zeichen des Umzugs der Jülicher Geräte stehen. Der Umzug aus Jülich läuft gut, durch die gute Zusammenarbeit wird auch die Platzknappheit in der Neutronenleiterhalle gemeistert. Dieses Jahr sind 5 Zyklen geplant. Dabei stellt der Personalmangel ein ernstes Problem für den Nutzerbetrieb dar. Die Experten-Evaluation hat beeindruckende Bewertungen der Instrumente geliefert, doch die Instrumente können nicht adäquat optimiert und genutzt werden.

FZJ: Die Jülicher Neutronenschule wird in Zukunft in München stattfinden.
Am FZJ ist man sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit Münchener Kollegen vom FRM-II beim Umzug der Jülicher Instrumente zum FRM-II. Es wird erwartet, dass die ersten Proposals Anfang nächsten Jahres gestellt werden können.

HMI: Eine engere Zusammenarbeit von BESSY und HMI ist geplant. Das geht aus einem gemeinsamen Papier von HMI und BESSY hervor.
Bei der letzten POF-Begutachtung wurde der Bau eines Hochfeldmageneten am HMI befürwortet. Zusammen mit dem Forschungszentrum Karlsruhe sollte ein Hochfeldmagnet mit Hochtemperatur-Supraleitung entwickelt werden, der eine Stärke bis 25 T haben sollte. Studien zeigen nun, diese Stärke nicht erreicht werden könnte. Eine technische Alternative ist ein Hybridmagnet mit einer supraleitenden äußeren Spule und einer normalleitenden inneren Spule. Hiermit können 35-40 T erreicht werden. Daher wird vorgeschlagen, auf den Hybridmagneten des NHFML Tallahassee umzusteigen.
Aus der Diskussion ergibt sich, dass es nur am HMI die technischen und personellen Voraussetzungen für einen solchen Hochfeldmagneten gibt. Der Magnetismus ist ein exzellentes Standbein des HMI, und ein Magnet, mit dem man für immer auf 22 T beschränkt bleibt, wäre eine Fehlinvestition.
Neuigkeiten von den internationalen Quellen:

ILL: Das dominierende Ereignis am ILL ist der 10-monatige Shutdown (04.08.2005-14.06.2006). Er dient sowohl der Erneuerung von Strahlrohren als auch dem Refit-Programm zur Verbesserung der Erdbebensicherheit. Im Jahr 2006 wird es drei Zyklen geben. Im Millenium-Programm geht zügig voran. Das ILL hat neue Partner: Ungarn, Schweden und Belgien. Am 01.03.2006 wird Herr Prof. Dr. Richard Wagner die Stelle des Deutschen Direktors übernehmen. Herrn Prof. Dr. Press wird für sein enormes Engagement gedankt. Am 22.12.2005 wurde die Einsteinsche Massenformel mit einer bisher unerreichten Genauigkeit (1.4 (4.4) x 10-7) bestätigt, s. Nature, Dezember 2005. Vom 27. bis 29.04.2006 findet am ILL das Millennium-Symposium und Nutzertreffen statt.

NIST: Am NIST wird eine zweite kalte Quelle und eine Leiterhalle für 5 Instrumente geplant (NCNR Expansion Initiative).

ISIS: Die Erfahrungen von ISIS zeigen, dass die Nutzer mehr Wert auf Brillanz legen als auf den Fluss, denn der Wasserstoffmoderator ist stärker nachgefragt als der Uncoupled-Methane-Moderator.