55. KFN-Sitzung

Komitee Forschung mit Neutronen

Freitag, 01. 12. 2006, Universität Göttingen

E R G E B N I S B E R I C H T

Allgemeine Themen:

ENSA: In der Diskussion über die zukünftige Strategie der ENSA werden als Hauptpunkte einerseits die wachsenden Realisierungsaussichten der ESS und andererseits das Heranführen "quellenloser" Länder an die Neutronenstreu-Community herausgestellt. In diesem Zusammenhang wird die Bedeutung der ENSA als alleiniger Ansprechpartner der EU für die Belange der Neutronenstreuung hervorgehoben. Kritisiert wird, dass eine internationale Roadmap bisher immer noch aussteht. H. Schober weist darauf hin, dass unter dem neuen Vorsitzenden die Organisationsstruktur der ENSA gestrafft und neue Arbeitsgruppen (Finances, Small Facilities, Young Scientists, Public Relations) gegründet wurden.

ECNS-2007: Das KFN kommentiert die hohen Kosten von mehr als 500€ kritisch, die im Widerspruch zum Bemühen der Neutronenstreuer stehen, junge Menschen für die Methode zu werben. Mögliche Vergabekriterien für die zukünftigen europäischen Neutronenstreutagungen werden eingehend diskutiert, wobei insbesondere die Einführung eines Beitraglimits, die Veranstaltung in kleineren (preisgünstigeren) Orten oder die Anbindung an Universitäten genannt wurden.

Hälg-Preis: Zur weiteren Bekanntmachung dieses Preises soll dieser u.a. auf der Web-Seite der ENSA vorgestellt werden.

Lewy-Bertaut-Preis: Gemeinsam mit der European Crystallographic Association (ECA) wird die ENSA zukünftig den Lewy-Bertaut-Preis verleihen. Der Preis soll alternierend an Nachwuchswissenschaftler aus dem Bereich der Kristallographie und der Neutronenstreuung vergeben werden. Die Ausschreibung soll in Kürze erfolgen.

ESFRI: H. Schober umreißt kurz die Bedeutung der ESFRI-Roadmap für das ILL sowie die ESS. In der sich anschließenden Diskussion wird festgestellt, dass auch unter den aktuellen Randbedingungen die Aussagen zur ESS im Strategiepapier des KFN unverändert gültig sind und somit keine Notwendigkeit für eine Überarbeitung besteht.

NMI3: G. Eckold gibt einen kurzen Überblick über die im September 2007 in Göttingen geplante Tagung "SKIN2007 - Studying Kinetics with Neutrons". Ein weiterer Diskussionspunkt ist die Frage nach möglichen neuen Förderinstrumenten im Rahmen von FP7. Es wird darauf hingewiesen, dass es gegenwärtig keine Notwendigkeit gibt, im Gegenzug bestehende Initiativen einzustellen.

GENESYS: A. Schreyer stellt den Teil der Gennesys-Studie vor, welche ein Neutronen- und ein Synchrotron-Kapitel beinhaltet.

KFN-Ressort Nachwuchs: In Vertretung von R. Steitz bittet H. Graf, dass weiter Werbung gemacht wird für das Hinterlegen wichtiger Promotionsarbeiten auf dem Gebiet der Neutronenstreuung.

KFN-Ressort Öffentlichkeitsarbeit: R. Willumeit bittet alle Anwesenden, ihr wichtige Informationen möglichst zeitnah zukommen zu lassen, um diese rechtzeitig, in der Regel über Rund-Emails, publik machen zu können.

Verbundforschung: H. Zabel berichtet über das Treffen der konkurrierenden Gruppen (Aachen/Jülich und Göttingen), die am FRM-II ein Pulverdiffraktometer mit höchstem Fluss bei mittlerer Auflösung bauen möchten. Hier war das KFN gebeten worden, im Vorfeld vermittelnd zu fungieren. Es stehen sich a priori unverträgliche Konzepte (Flugzeitdiffraktometer und Monochromatorinstrument) gegenüber. Das KFN ist sich einig, dass ein neues Pulverdiffraktometer mit höchstem Fluss bei mittlerer Auflösung am FRM II

    kein baugleiches bestehender Geräte an anderen Zentren sein sollte (kein 2. Klasse Gerät im Vergleich zum ILL)
    neue Nutzergruppen aus den Bereichen Geowissenschaften, Chemie und Materialwissenschaften anziehen soll
    eine ambitionierte Probenumgebung bezüglich Druck, Temperatur und Magnetismus ermöglichen soll.

Im Hinblick auf die avisierte Gesamtbauphase von fünf bis sechs Jahren stimmt das KFN in der Einschätzung überein, dass die Vorschaltung einer Konzeptionsphase die Erfolgsaussichten eines BMBF-Antrages nicht beeinträchtigt, sondern vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Diskussion eher fördert. Es verabschiedet daher einstimmig die folgende Empfehlung:

Das KFN begrüßt, dass sich zwei kompetente Gruppen darum bemühen, ein in Richtung hoher Intensität optimiertes Pulverdiffraktometer am FRM-II zu errichten, das eine Lücke in der Instrumentsuite des FRM-II schließen soll. Es ermuntert alle interessierten Gruppen, gemeinsam ein optimales Konzept zu erarbeiten, das den Anforderungen der wissenschaftlichen Community aus Geowissenschaften, Chemie und Materialwissenschaften gleichermaßen gerecht wird. Diese Konstellation trägt insbesondere dem Bestreben des KFN Rechnung, die Kompetenzen der Universitäten verstärkt zu nutzen.

SNI2006 Nachlese: A. Schreyer zieht ein kurzes Resümee. Das KFN spricht den Organisatoren der Tagung seine Anerkennung aus und dankt allen Beteiligten für ihr Engagement, die die SNI2006 zu einem vollen Erfolg gemacht habe.

Nächste Neutronenstreutagung: Das KFN beschließt einstimmig die Vergabe der nächsten nationalen Neutronenstreutagungen an: FRM II, München, im Jahre 2008
HMI, Berlin, im Jahre 2010. Nach Auskunft von W. Petry wird die Münchener Tagung in der Woche nach dem Oktoberfest stattfinden. Der Vorschlag von H. Schober, Österreich und die Schweiz als gemeinsamen Partner hinzuzunehmen findet großen Anklang, womit gleichzeitig beschlossen ist, die Konferenz englischsprachig zu gestalten.

Neuigkeiten von den nationalen Quellen:

FRM II: W. Petry hebt die Zuverlässigkeit der Neutronenquelle FRM II hervor, die bald den Rekord im längsten ununterbrochenen Einsatz halten dürfte. Darüber hinaus teilt er mit, dass am 9. Januar das neue Ostgebäude planmäßig seiner Bestimmung übergeben wird, wo insbesondere die Mitarbeiter des JCNS untergebracht werden. Er unterstreicht in diesem Zusammenhang die langjährige hervorragende Arbeit von Herrn Engelke, der als Verwaltungsdirektor zum Jahresende in den Ruhestand verabschiedet wird. Verzögerungen gibt es gegenwärtig beim Aufbau der Jülicher Kleinwinkelstreuanlagen. Grund sind einerseits verwaltungstechnischen Probleme bei der Erweiterung der Neutronenleiterhalle und andererseits Lieferschwierigkeiten bei den Neutronenleitern. Für das nächste Jahr sind am FRM II wieder 5 Zyklen (à 52 Tage) geplant. Hier macht W. Petry auf die enorme Belastung der Local-Contacts aufmerksam, die er explizit als Zumutung für die Betroffenen bezeichnet.

FZJ: Die Jülicher Neutronenschule wird in Zukunft in München stattfinden.
Am FZJ ist man sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit Münchener Kollegen vom FRM-II beim Umzug der Jülicher Instrumente zum FRM-II. Es wird erwartet, dass die ersten Proposals Anfang nächsten Jahres gestellt werden können.

HMI: H. Graf berichtet über die geplante Fusion von HMI und BESSY, die im Jahr 2010 unter dem Mantel der HFG vollzogen sein soll. Eine Evaluation kam zu dem Ergebnis, dass die Forschungsgeräte am BER-II so ambitiös wie möglich ausgebaut werden müssen, um weiter Bestand in der Forschungslandschaft haben zu können. Ein Instrumentierungsausschuss ist in diesem Zusammenhang im Oktober des Jahres gebildet worden. Als Beispiel für einen weiteren Ausbau gilt das NEAT, welches einen Faktor 40 nach erfolgtem Umbau gewinnen soll. H. Graf weist weiter darauf hin, dass sich die Inbetriebnahme der neuen Neutronenleiterhalle u.a. aufgrund von Lieferschwierigkeiten der Neutronenleiter verzögert. Der geplante Hochfeld-Magnet wird frühestens 2010 bereitstehen. Im Bereich der Neutronennutzung ist der Proposaleingang (260 in 2006) stabil und entspricht einem Overloadfaktor von 1,5 im Mittel. Für das nächste Jahr steht als herausragendes Ereignis am HMI der PMCMI-Kongress an.

FZ-Jülich: In Vertretung von T. Brückel blickt H. Conrad auf 44 Jahren DIDO-Betrieb zurück. Anschließend gibt er einen Überblick auf die nun an anderen Reaktoren bisher aufgestellten und noch aufzustellenden bzw. sich in der Entwicklung befindenden Geräte für die Neutronenstreuung.

FRG-I: A. Schreyer berichtet über die Pläne zum Bau zweier neuer Geräte, die speziell für die Materialforschung konzipiert sind. Neben dem Eigenspannungsinstrument ARES2 wird eine Tomographieanlage entwickelt. Darüber wird von einem Upgrade der Kalten Quelle ein 60%-iger Flussgewinn erwartet. A. Schreyer weist darauf hin, dass er einen weiteren Betrieb bis mindestens 2009 gesichert sieht. Des Weiteren hebt er das Engagement an externen Quellen hervor, wie z.B. am FRM-II mit dem REFSANS, STRESS-SPEC und dem SANS1-Projekt. Ein weiteres TOF-Gerät zur Eigenspannungsmessung ist wahlweise am ILL oder FRM-II Reaktor geplant.
Neuigkeiten von den internationalen Quellen:

ILL: In Vertretung von R. Wagner berichtet H. Schober über den Status des ILL: Nach dem ca. einjährigen Shut-down des Grenobler Forschungsreaktors und Wiederaufnahme des Betriebs in diesem Jahr sind für das kommende Jahr 4 Zyklen geplant. Für die Innovationen an den Geräten sind in den Jahren 2007-2011 56 M€ eingeplant. In den Jahren 2012 bis 2016 sollte dann der Bau der 3. Kalten Quelle im Vordergrund stehen. Auf Nachfrage bestätigt H. Schober, dass der Anteil deutscher Strahlzeitnachfrage im letzten Jahr leicht zurückgegangen ist. Ein Grund sei sicherlich der erfolgreiche Betrieb des FRM II, ein anderer aber auch der fehlende Nachwuchs an deutschen Universitäten

Termine:

Das KFN wird sich das nächste Mal am Rande der ECNS2007 in Lund treffen.