65. KFN-Sitzung

Komitee Forschung mit Neutronen

Montag, den 21.02.2011, Garching

E R G E B N I S B E R I C H T

Allgemeine Themen:

Röntgen-Ångström-Cluster: Im Rahmen der Deutsch-Schwedischen Zusammenarbeit im Cluster sollen unter anderem Workshops und Sommerschulen stattfinden. Die Zusammenarbeit wurde zunächst für Norddeutschland und Schweden vereinbart, wobei allerdings ein Mitwirken von Partnern aus Dänemark und von anderen deutschen Forschungseinrichtungen durchaus möglich ist.

ENSA: Bei der letzten ENSA-Sitzung wurden Kernpunkte der Strategie in der Forschung mit Neutronen in Europa besprochen und zusammengestellt. Außerdem ging es um den Stand der Vorbereitungen für die ECNS. Die ESS soll dort zusätzlich zum geplanten Satelliten-Workshop präsentiert werden. Ein weiteres Thema war die Neutronen-Versorgung durch die Zentren. Hier würde die ENSA gerne nach Möglichkeit in Zukunft vermitteln, damit ein Zusammentreffen von Shutdown-Zeiten vermieden werden kann. Die Vertretungen von Neutronen- und Synchrotronstrahlungsnutzern wollen ein gemeinsames Konzept erarbeiten und in Zukunft auf EU-Ebene gemeinsam auftreten. Das KFN begrüßt ausdrücklich das Bestreben für eine engere Zusammenarbeit und Absprache zwischen ESUO (European Synchrotron User Organisation) und ENSA und bestärkt die ENSA darin, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

Walter-Hälg-Preis und Bertaut-Preis: Die Frist für Vorschläge von Preisträgern des Walter-Hälg-Preises ist der 19.03.2001. Auch der Bertaut-Preis für Nachwuchswissenschaftler wird dieses Jahr von der ENSA ausgeschrieben.

Zusammenarbeit ESS-KFN: Der Science Director der ESS, Herr Argyriou nimmt als Gast an der Sitzung teil. Er betont, wie wichtig die deutsche Neutronennutzerschaft für die ESS wegen ihrer Erfahrung und ihrer RESSourcen ist. Für April 2012 (19./20.04.2012) ist die Konferenz "Science and Scientists@ESS" in Berlin geplant (http://www.cisionwire.com/european-spallation-source-ab/r/kick-off-for-getting-involved-in-the-future-ess-science,c9146753). Das Satelliten-Treffen am Rande der ECNS soll als Kickoff-Meeting dafür dienen.

Die ESS plant außerdem eine Reihe von Workshops mit dem Arbeitstitel "ESS Scientific Challenges 2020". Die Nutzer sollen kurze Anträge stellen, die Workshops dann organisieren und abschließend Berichte schreiben, die der Scientific Advisory Council der ESS als Grundlage für das weitere Vorgehen nutzen will. Es handelt sich um 10 Workshops in den Jahren 2011 und 2012. Wichtig für die Beurteilung der Anträge sind gute Sprecher, die Idee und Umfang des Workshops.

KFN-Mitglieder vertreten ebenso wie Herr Argyriou die Meinung, dass neue Konzepte stringent entwickelt werden müssen, damit eine Quelle mit exzeptionellen Möglichkeiten entsteht. Von Anfang an soll der Besonderheit der gepulsten Quelle Rechnung getragen und neuartige Instrumente entwickelt werden. In diesem Zusammenhang ist die enge Kooperation zwischen den Antragstellern des vom BMBF geförderten Design-Update-Projektes und dem KFN von besonderer Bedeutung.

ESS-Workshops werden auf verschiedenen Ebenen stattfinden. Die von der ESS organisierten Veranstaltungen können weder die vom KFN geplanten kleinen, nationalen und thematisch fokussierten Workshops mit 30 bis 40 Teilnehmern noch eine deutsche Veranstaltung "Wissenschaft@ESS" ersetzen, sondern sollen sie ergänzen.

Informationsaustausch mit der Swedish Neutron Scattering Society: Der Vorsitzende der Swedish Neutron Scattering Society SNSS, Herr Rennie, nimmt als Gast an der Sitzung teil. Er berichtet über die Beteiligung schwedischer Universitätsgruppen an der ESS-Planung. Der Röntgen-Ångström-Cluster fördert die deutsch-schwedische Forschung mit Protonen und Neutronen im Bereich Materialforschung und Strukturbiologie. Im Einzelnen betrifft das z.B. eine Beamline an PETRA III, den Aufbau einer schwedischen "Junior Research Group" in Strukturbiologie am DESY.

Im März wird in Schweden eine Ausschreibung mit Bewerbungsfristen Ende April (Strukturbiologie) und Anfang Mai erscheinen. Diese betrifft Rahmenprogramme in bestimmten Gebieten. Auch Konferenzen und Reisen sollen finanziell unterstützt werden. Es sind insbesondere Workshops zu Neutronen-Themen angedacht.

Das KFN möchte gerne dazu beitragen, dass die Neutronen-Seite des Clusters gestärkt wird. Sobald die Ausschreibung veröffentlicht ist, soll über umfassende gemeinsame Projekte nachgedacht werden. Es wird außerdem angeregt, die nächste nationale Neutronentagung 2012 gemeinsam mit der SNSS zu veranstalten.

Strategiebroschüre: Der Stand der Stategiebroschüre wird rekapituliert und der Layout-Entwurf wird vorgestellt, der auf allgemeine Zustimmung stößt. Das Dokument soll im Juli 2011 rechtzeitig zur ECNS vorliegen.

Deutsche Neutronenstreutagung: Die Deutsche Neutronenstreutagung 2012 wird vom FZ Jülich ausgetragen. Sie ist für September oder Oktober 2011 geplant. Ein Schwerpunkt soll das Ergebnis der ESS Design Update-Studie sein.

Neuwahl des KFN im Juni 2011: Laut Satzung besteht das KFN aus 7 gewählten Mitgliedern, Vertretern der Zentren sowie kooptierten Mitgliedern. Für die Briefwahl zum 9. KFN, die im Juni 2011 stattfindet, hat das KFN unter Berücksichtigung der Vorschläge aus der Nutzerschaft eine Kandidatenliste aufgestellt.


Neuigkeiten von den Quellen:

BER-II: Das Neutronen-Upgrade läuft planmäßig, so dass der Reaktor voraussichtlich Ende Mai wieder angefahren wird.

FRM II: Während der Wartungspause am FRM II wird nicht nur die Positronenquelle (Strahlrohr SR11) erneuert, sondern z.B. auch die Radiographieanlage Antares vollständig neu gebaut, so dass ein kalter Neutronenstrahl für die Teilchenphysik (Instrument Mephisto, Osthalle) frei wird. Zudem werden Vorarbeiten durchgeführt, damit die Heißen Diffraktometer HeiDi und POLI-HeiDi, die sich zur Zeit den Strahl am SR9 teilen, jeweils einen eigenen Strahlau sgang bekommen. Parallel zum Strahlrohrwechsel SR11 wurde ein Fingerhutrohr getauscht, das zukünftig für den Bau einer Bestrahlungseinrichtung zur Erzeugung vom 99Mo-Isotop dienen soll. Am TOFTOF wird die Zahl der Detektoren v on 600 auf 1000 erhöht. Das Biodiffraktometer (JCNS, TUM) hat mit der Inbetriebnahme begonnen, die neue SANS-1 Apparatur (HZG, TUM) wird mit Reaktorstart in Betrieb genommen werden. Am 17.12.2010 wurde der Kooperationsvertrag zwischen dem FZJ und TUM zur gemeinschaftlichen wissenschaftlichen Nutzung des FRM II von der TUM und den HGF-Zentren unterzeichnet.

JCNS: Das Instrument MARIA läuft ab dem nächsten Zyklus im Nutzerbetrieb und das Bio-diffraktometer (gemeinsames Projekt JCNS-TUM) ist fertig gestellt. Der Strahlrohreinschub, der die Instrumente TRISP, POWTEX und TOPAS in der Halle Ost mit Neutronenleitern versorgen wird, wird durch die Zentralabteilung Technologie am FZJ konstruiert und gebaut. Das seit 40 Jahren bestehende ehemalige Institut für Festkörperforschung (IFF) am FZ Jülich wurde im Rahmen einer Reorganisation zum 31.12. aufgelöst. JCNS ist jetzt ein eigenes Insti-tut mit zwei Institutsbereichen sowie drei Außenstellen am FRM II, am ILL und an der SNS. Seit 01.01.2011 ist die Erforschung harter kondensierter Materie im Peter Grünberg Institut angesiedelt. Weiche Materie und Biophysik ist der Schwerpunkt des neu gegründeten Instituts for Complex Systems. Die Design Update Studie für die ESS ist mit 2 Workshops (Brainstorming mit KFN am 25. Januar und Kickoff-Meeting am 11. Februar) angelaufen.

HZG: Das SANS-1 bekommt eine verstärkte Abschirmung, REFSANS ein neues Streurohr, und beim STRESS-SPEC wird ein Roboter integriert. Außerdem ist auch das HZG im ESS-Design Update Projekt engagiert.
ILL: Bei der Frist für Messzeitanträge am 15.01.2011 sind 699 Anträge eingegangen sind, das ist ein neuer Rekord. Im Jahr 2011 wird es infolge der Installation von zwei neuen Neutronenleitern und dem Aufbau des dritten SANS Instruments D33 sowie des hochaufloesenden Rueckstreu-Spektrometers IN16B statt vier nur drei Reaktorzyklen geben; der erste Zyklus beginnt am 14.04.2011. Zusammen mit der ESS hat das ILL ein Proposal für den ESFRI call "Analytical Facilities" eingereicht. Die Gesellschafter des ILL - D,F und UK- haben beschlossen, die ILL Konvention ("Intergovernmental Convention") um weitere 10 Jahre bis Ende 2023 zu verlängern. Die dritte Phase des Millennium-Projekts beginnt voraussichtlich 2015. Seit 01.01.2011 ist Indien das 14. Mitgliedsland, das erste nicht-europäische.

Termine:

Die nächste KFN-Sitzung findet im Herbst 2011 am Rande der Tagung "Wissenschaft@ESS" voraussichtlich in Bonn statt.