85. KFN-Sitzung

Komitee Forschung mit Neutronen

Freitag, den 14.09.2017, Garching

E R G E B N I S B E R I C H T

Rückblick 10. KFN: Herr Unruh gibt einen Überblick über die letzten drei Jahre (10. KFN). Die Wahlperiode begann unmittelbar nach der Zusage des BMBF, sich mit etwa 10% an Bau- und Betriebskosten der European Spallation Source ESS zu beteiligen. Entsprechend dem Anteil der deutschen Nutzung hält das KFN allerdings einen höheren Beitrag für notwendig. Es folgte die überraschende Ankündigung des kompletten Rückzugs des HZB aus der Forschung mit Neutronen. Dazu hat das KFN zwei Stellungnahmen verfasst. Es wird ein Verbleib der Instrumente in Deutschland oder Europa angestrebt. Die Deutsche Neutronenstreutagung in Kiel 2016 war sehr gelungen. Das 10. KFN hat an der Vorbereitung der Verbundforschungsrunde 2016-2019 mitgewirkt. Im BMBF-Arbeitskreis zur Digitalen Agenda wurden Vorschläge gesammelt. Das KFN hat außerdem die Bemühungen um Nachfolge von NMI3 unterstützt und sich in der ENSA engagiert. Herr Unruh begrüßt die neuen Mitglieder und gratuliert ihnen, und er dankt allen bisherigen Beteiligten für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Konstituierung des 11. KFN: Frau Schneidwind wird einstimmig zur KFN-Vorsitzenden und Herr Braden wird einstimmig zu stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Herr Braden übernimmt das Ressort Infrastruktur und Instrumentierung, das auch die Bereiche Verbundforschung, ILL und HZB umfasst. Herr Meyer ist zuständig für die deutsche Beteiligung an der ESS und Frau von Klitzing übernimmt das Ressort Öffentlichkeitsarbeit und Sichtbarkeit von Forschung mit Neutronen. Um ENSA-Belange kümmert sich Frau Lohstroh und Frau Hradil übernimmt das neue Ressort Digitale Agenda. Das KFN muss außerdem im KEKM vertreten sein und sich bei internationalen Programmen wie IRI, CREMLIN und RAC einbringen.

Neues Rahmenprogramm ErUm: Das BMBF hat im Juni 2017 sein neues Rahmenprogramm zur „Erforschung von Universum und Materie - ErUM“ vorgestellt. Es ist als „lernendes Programm“ auf zehn Jahre ausgelegt und soll eine kohärente Gesamtstrategie ermöglichen. Im sogenannten „Prisma-Prozess“ werden die Strategien der drei „Seiten“ - Hochschulen, Wissenschaftsorganisationen und internationaler Forschungsraum - verknüpft. Dies geschieht unter anderem durch die Prisma-Konferenzen, Prisma-Strategiegespräche, Prisma-Trialoge, ein Prisma-Forum und den Prisma-Radar. Nachzulesen ist dies auf der folgenden Internetseite: https://www.bmbf.de/de/erforschung-von-universum-und-materie---das-rahmenprogramm-erum-4388.html . Die Handlungsfelder Transfer und Partizipation, Vernetzung, MINT-Nachwuchs und Großgerätelandschaft werden durch Aktionspläne ausgestaltet. Bisher sind zwei Aktionspläne vorgesehen, ErUM-Pro: Projektförderung zur Einbindung von Hochschulen in die Weiterentwicklung von Großgeräten (bisher Verbundforschung) und ErUM-Data: Beiträge zur Digitalen Agenda. Das BMBF hat eine Broschüre (https://www.bmbf.de/pub/Erforschung_von_Universum_und_Materie.pdf) über ErUM vorgelegt. Die nächsten Schritte sind die konstituierende Sitzung des Prisma-Forums, eine Prisma-Konferenz 2018 und ein Prisma-Strategiegespräch im Bereich Materie.

Röntgen-Ångström-Cluster: Eine Bekanntmachung im Rahmen der deutsch-schwedischen Kooperation Röntgen-Ångström-Cluster im Bundesanzeigen steht kurz bevor. Es werden deutsch-schwedische bi-nationale Projekte aus den Bereichen Strukturbiologie und Materialforschung mit Photonen und Neutronen gefördert. Als Neutronenquellen sind auf deutscher Seite ESS, FRM II und ILL erwähnt. Die Antragsfrist ist der 1.12., wobei zu beachten ist, dass in Schweden die Antragsdeadline 21.11. als Ausschlussfrist gilt und die schwedische Antragsnummer Teil des deutschen Antrags ist. Der Förderbeginn ist für den 01.07.2018 vorgesehen. Das Fördervolumen wird voraussichtlich in etwa dem der letzten Kampagnen entsprechen. Näheres zu der Bekanntmachung findet sich auf den Internetseiten des Projektträgers (PT) DESY.

Digitale Agenda: Das KFN wird die Bedürfnisse und Vorstellungen der Neutronenforscher im Strategieprozess zur Digitalen Agenda vertreten.

Sichtbarkeit der Forschung mit Neutronen: Es werden verschiedenen Ansätze diskutiert, die die Forschung mit Neutronen sichtbarer machen könnten. Eine Broschüre zum 30-jährigen Bestehen des KFN ist in Vorbereitung.

Berichte aus den Zentren: Am MLZ wird im Herbst weiter an der Inbetriebnahme Halle Ost gearbeitet. Mit 460 Anträgen wurde in der September-Proposal-Runde ein neuer Rekord erreicht. Das KFN als Nutzervertretung liefert einen wichtigen Beitrag zu strategischen Ãœberlegungen zum MLZ-Kooperationsvertrag. Das JCNS arbeitet an der Entwicklung einer neuen Neutronenquelle (HBS), die nicht auf Kernspaltung, Fusion oder Spallationsprozess basiert, sondern auf einer Kernreaktion mittels Bombardierung mit niederenergetischer Deuteronen auf ein Beryllium-Target. Am ILL wurde der lange Reaktorshutdown von 2018 auf 2020 verschoben. Das Endurance-Programm geht gut voran, z. B. wurde das Magnetfeld von WASP und die BATS Chopper am IN16B in Be-trieb genommen. Das Auswahlverfahren für das Endurance2–Programm läuft, es gibt 37 Vorschläge, die im Oktober und November begutachtet werden. Der BER II soll bis Ende 2019 mit 10 Instrumenten im Nutzerservice wissenschaftlich genutzt werden. In der letzten Antragsrunde wurden 117 Messzeitanträge eingereicht, das entspricht einem OverloadÃœberbuchungs-Faktor von etwa 1,7. Verschiedene Forschungseinrichtungen, die Neutronenquellen betreiben, haben Interesse an der Ãœbernahme von Neutroneninstrumenten am BER II bekundet, darunter auch das MLZ. Das KFN setzt sich für Lösungen im Sinne der Neutronennutzer in Deutschland ein. An der ESS ist ein höhererangemessener deutscher Beitrag an den Be-triebskosten nötig. Derzeit werden unterschiedliche Betriebsmodelle diskutiert. Der Umzug der Arbeitsplätze auf das ESS-Gelände ist für den Sommer 2018 vorgesehen. Für den Start des Nutzerprogrammes im Jahr 2023 sind 8 Instrumente geplant.

Termine: Die nächste KFN-Sitzung soll im Dezember stattfinden.

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