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Dr. Hitoshi Endo, Träger des Wolfram-Prandl-Preises 2004

Endo-Brueckel

Übergabe des Wolfram-Prandl-Preises an Dr. Hitoshi Endo durch Prof. Th. Brückel bei der Deutschen Neutronenstreutagung 2004.

Herr Dr. Hitoshi Endo wurde für seine herausragenden Arbeiten zur Entwicklung der zweidimensionalen Kontrastvariation in der Neutronenkleinwinkelstreuung und deren Anwendung zur Erforschung der Effizienzsteigerung von Tensiden mit Hilfe von amphiphilen Blockcopolymeren sowie der Biomineralisation im Jahr 2004 als Träger des Wolfram-Prandl-Preises gekürt.

Herr Endo wurde im Jahr 1972 in Kobe, Japan, geboren; zum Zeitpunkt der Verleihung war er 32 Jahre alt und erfüllt damit sehr gut die Kriterien für einen Nachwuchswissenschaftlerpreis. Er hat an der Universität Kyoto studiert und dort seinen Bachelor und "Master of Engineering in Polymer Chemistry" gemacht. Die Abschlußarbeit bei Prof. Dr. H. Yamaoka beschäftigte sich mit "Röntgen- und Neutronenreflektivitätsmessungen der Polymerfeinstruktur an Grenzflächen". Herr Endo hat dann in den Jahren 1998 bis 2001 seine Doktorarbeit bei Prof. Dr. D. Richter am Forschungszentrum Jülich / Universität Münster durchgeführt. Das Promotionsthema war "Der Einfluß amphiphiler Blockcopolymere auf das Emulsifikationsverhalten bei Mikroemulsionen". In den Jahren 2001 bis 2004 hat Herr Endo als Postdoc über organisch-anorganisch Hybridkolloide am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Golm gearbeitet.

Die methodische Herausforderung bei den Arbeiten von Herrn Endo lag darin, Streubeiträge von funktionell wichtigen Polymeren zu identifizieren, die etwa 100 000 x kleiner sind als die Intensität der Hauptkomponente. Herr Endo konzipierte zur Lösung des Problems ein zweidimensionales Kontrastvariationsverfahren für die Neutronenkleinwinkelstreuung. Damit gelang es ihm, alle relevanten Strukturfaktoren zu bestimmen und Kleinwinkelstreuexperimente mit nie dagewesener Präzision auszuwerten. In seiner Doktorarbeit hat Herr Endo die zweidimensionale Kontrastvariation zur Erforschung der starken Effizienzsteigerung von herkömmlichen Tensiden durch den Einsatz von amphiphilen Blockcopolymeren eingesetzt. Er konnte experimentell zeigen, daß die hydrophilen Teile der Polymerkette in einer Pilzkonformation in das Wasser ragen, während die lipophilen Teile wiederum eine Pilzkonformation im Öl einnehmen. Auf der Basis dieser experimentellen Information konnte dann quantitativ theoretisch gezeigt werden, wie durch einen entropischen Effekt die Polymere die Elastizität der Tensidschichten verändern, so daß sich die Phasengrenze verschiebt. Diese Ergebnisse sind nicht nur aus Grundlagensicht von größtem Interesse, sondern auch von erheblicher praktischer Bedeutung. In seinen Arbeiten als Postdoc in Golm hat er seine Erfahrung auf dem Gebiet der zweidimensionalen Kontrastvariation auf das Problem der Biomineralisation angewandt. Hierzu führte er kinetische Experimente zum Anfangsstadium der Kristallisation durch und wandte die Möglichkeiten der Kleinwinkelstreuung auf ein physiologisches Problem an, der Biomineralisation von Kalziumphosphat in Anwesenheit von Feutin.

Die Arbeiten von Herrn Endo zeichnen sich aus durch extrem anspruchsvolle Experimente, kombiniert mit einer tiefgehenden theoretischen Analyse. Mit seinen Arbeiten ist er wirklich neue Wege gegangen und hat seine Fähigkeit unter Beweis gestellt, sehr innovativ neue Probleme anzugehen und zu lösen. Nachdem der Wolfram-Prandl-Preis 2002 für Arbeiten auf dem Gebiet des Magnetismus vergeben wurde, ist im Jahr 2004 nun ein weiteres Hauptanwendungsfeld der Neutronen, die Weiche Materie, zum Zug gekommen. Unsere Gratulation an den Träger des Wolfram-Prandl-Preises für Neutronenstreuung 2004.

Thomas Brückel - für das Komitee Forschung mit Neutronen -