Interview 2017

Interview mit dem Vorsitzenden des KFS, Prof. Stefan Eisebitt, und mit seiner Stellvertreterin, Dr. Bridget Murphy, 2017

 

Herr Eisebitt, was hat das KFS in den 30 Jahren seines Bestehens erreicht und wo lagen die Schwerpunkte in den letzten drei Jahren, in denen Sie Vorsitzender waren?

Das Komitee Forschung mit Synchrotronstrahlung vertritt die Interessen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die mit Synchrotronstrahlung forschen. Das KFS vertritt diese Interessen nicht nur gegenüber den Betreibern der Quellen, sondern ist insbesondere auch Ansprechpartner für das BMBF. Dabei war das KFS in den Jahren seines Bestehens außerordentlich erfolgreich. Schaut man sich z.B. die Empfehlungen in zurückliegenden KFS Broschüren an, so kann man rückwirkend feststellen, dass die Politik die Ratschläge des KFS meist angenommen hat – viele Entwicklungen sind so gekommen wie es vom KFS empfohlen wurde. Zu den Themen, die uns in den letzten drei Jahren intensiver beschäftigt haben gehörte die Situation der Nutzer an ANKA sowie die Zukunft des Förderinstrumentes Verbundforschung an sich, über die Ausgestaltung einzelner Ausschreibungen hinaus.

Frau Murphy, Was sind die wichtigsten Aufgaben für die kommenden Jahre? Welche Bedürfnisse haben die Nutzer?

Es ist wichtig sicherzustellen, dass die Synchrotronstrahlungsquellen, die wir nutzen, weltweit führend bleiben, so dass wir die bestmögliche Forschung betreiben können. Dafür repräsentiert das KFS die Nutzergemeinschaft und verdeutlicht deren Bedürfnisse gegenüber den Geldgebern. Die Synchrotronstrahlungsnutzerschaft ist sehr aktiv, und das KFS übernimmt die Aufgabe, die Politik über den Erfolg und die zukünftigen Bedürfnisse der Nutzergemeinschaft zu informieren. Zurzeit brauchen die Nutzer von Speicherringen und Freie-Elektronen-Lasern eine breite Spanne von verschiedenen Methoden, die im Energiebereich von weicher bis zu harter Röntgenstrahlung reichen, und im Zeitbereich von Femtosekunden bis zu Stunden. Daher brauchen wir viele verschiedene spezialisierte Quellen, um unsere Bedürfnisse abzudecken und exzellente Wissenschaft zu ermöglichen. Zukunftsweisende Neuentwicklungen wie diffraktionslimitierte Quellen werden eine bis zu 100-mal höhere Intensität haben und das stark kohärente Licht auf extrem kleine Probenstellen konzentrieren, so dass der Messbereich erweitert wird und in-situ und in-operando-Untersuchungen möglich werden. Die ersten Experimente am European XFEL im Herbst diesen Jahres werden diese kurzen Zeitskalen erstmals einer breiten Nutzerschaft eröffnen.

Herr Eisebitt, wie arbeitet das KFS ganz konkret?

Das KFS trifft sich mehrmals im Jahr, informiert sich über aktuelle Entwicklungen und diskutiert die anstehenden Themen. Dabei sind neben den gewählten Mitgliedern auch Vertreter der Quellen, des BMBF bzw. des Projektträgers DESY und weitere Gäste anwesend; so besteht z.B. enger Kontakt zur European Synchrotron Radiation Users Organization. Dieses Format ermöglicht einen direkten und intensiven Austausch über meist strategische Fragen. In Arbeitskreisen des BMBF vertreten wir die Interessen der Nutzer von Synchrotronstrahlungsquellen und Freien Elektronen Lasern – aktuell z.B. in einem Arbeitskreis des BMBF zur Digitalen Agenda, Computing und Forschungsdatenmanagement. Es geht darum, die Sicht und Probleme der Nutzer einzubringen und mit denen anderer Akteure, wie z.B. den Helmholtz-Zentren, auszubalancieren.

Frau Murphy, was sind Ihre persönlichen Beweggründe dafür, sich beim KFS zu engagieren?

Ich bin in der Synchrotron-Community aufgewachsen und habe viele Entwicklungen über die Jahre miterlebt, sowohl als Wissenschaftlerin am Synchrotron als auch als Forscherin. Daher kann ich die Bedürfnisse der Nutzergemeinschaft verstehen und kann sie effektiv gegenüber Zentren und BMBF kommunizieren. In diesen spannenden Zeiten ist es wichtig, der Community eine Stimme zu geben.

Herr Eisebitt, warum ist es wichtig zu wählen?

Das KFS hat den Anspruch, die Interessen der Nutzer zu vertreten. Dass wir ein gewähltes Gremium sind, verleiht uns dabei Legitimation. Das ist keine leere Phrase – diese Legitimation stärkt uns ganz konkret, wenn wir die Interessen der Nutzer in Kontroversen vertreten! Eine respektable Wahlbeteiligung ist daher wichtig. Der andere Aspekt: Forschung mit Synchrotronstrahlung ist vielfältig – das KFS hat aber nur acht gewählte Mitglieder. Möglichst viele dieser Themenfelder repräsentativ über „Abgeordnete“ abzudecken – wie ginge das besser als mit einer Wahl? Besser vom Wahlrecht Gebrauch machen als hinterher zu bedauern, dass das ein Themenbereich unterrepräsentiert ist!

Eisebitt  Murphy

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