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Anwendung von Neutronen in der Kunstgeschichte
 

Neutronen durchleuchten Gemälde

Da glaubt man nun, ein Gemälde von Tizian zu betrachten – zum Beispiel das „Mädchen mit Fruchtschale“ aus dem Jahr 1555, und dann ist’s eigentlich ein ganzer Comic-Strip. Denn unter ihrem Abbild ruhen noch ganz andere Ansichten. Wie Vexierbilder erscheinen – um 180 Grad gedreht – vielleicht ein alter Mann in weiter Robe? Oder ist es dann – wieder zurück gedreht – doch eher eine Sitzende im weiten Kleid? Birgit Schröder-Smeibidl beweist Letzteres, denn sie hat technische Hilfe: Neutronen-Autoradiografie.

So durchgeistigt die Gemälde sind, zu ihrer Anfertigung werden ganz irdische Farben verwendet. Und die bestehen aus Molekülen und Atomen. Deren Kerne sind es, die von den Neutronen bei der Bestrahlung im HMI getroffen werden, freilich von 250 Milliarden nur einer. Deshalb verändert die Untersuchung sicherlich winzige Teilchen des Ganzen, aber sie zerstört es nicht.

Der getroffene Atomkern reagiert prompt, verwandelt sich in ein radioaktives Isotop. Das wiederum heißt, dass sich der Kern – je nach seiner Halbwertszeit früher oder später – erneut umbaut, dann unter Aussendung eines Energiequants im Bereich der Gammastrahlung. Und die wird eingefangen, zum Beispiel dadurch, dass das Gemälde nach der Bestrahlung eine Packung Röntgenfilme verpasst bekommt.

Nach deren Entwicklung zeigt sich oft schon mal ein anderes Bild vom Bild, weil ja nun auch die unter der Oberfläche schlummernden Farbpigmente reagieren.

Die wohl berühmteste Untersuchung betraf den „Mann mit dem Goldhelm“. Er stammt – wie sich anhand der Pinsel-Strichführung nachweisen ließ – nicht von Meister Rembrandt, sondern nur aus seinem Malerei-Büro. Der Chef selbst war eben zu beschäftigt.

Quelle: Gideon Heimann im Tagesspiegel

Mehr zum Thema:


Neutron Autoradiography of the painting Armida abducts the sleeping Rinaldo (~1637) by Nicolas Poussin
C. Laurenze-Landsberg, C. Schmidt1, L.A. Mertens, B. Schröder-Smeibidl


In close collaboration, the Berlin Picture Gallery (Gemäldegalerie Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz) and the Hahn-Meitner Institute investigate old masters paintings by means of neutron autoradiography. Neutron autoradiography is a very effective, non-destructive, but rather exceptional method applied in the examination and analysis of materials and techniques used in painting. It allows the visualization of structures and layers under the visible surface and, in addition, enables one to identify in detail the elements contained in the pigments. The instrument B8 at the Berlin Neutron Scattering Center BENSC is dedicated to these investigations. [weiter]


Den Pigmenten auf der Spur
Wie in der Berliner Gemäldegalerie mit modernster Technik ungeahnte Bildinhalte entdeckt werden


Stolz mustert sich die junge Dame im Spiegel. Mit einem sanften Lächeln auf den Lippen betrachtet sie, die Finger gespreizt, ihr Halsband aus massiven Perlen. Reich muss sie sein, so vornehm steht sie da in ihrem pelzbesetzten Seidenkleid, umgeben von edlen Möbeln und Stoffen.

»Vermeer will uns mehr zeigen, als man auf den ersten Blick annehmen könnte, viel mehr sogar als nur das Porträt einer wohlhabenden jungen Frau«, erläutert Claudia Laurenze-Landsberg, Restauratorin an der Berliner Gemäldegalerie, wo sich Jan Vermeer van Delfts Gemälde »Dame mit dem Perlenhalsband« seit 1874 befindet. »Vermeers Bild birgt ein Geheimnis«, schwärmt die Restauratorin. »Ein Geheimnis, das wir erst sehr spät und dank einem tiefenanalytischen Verfahren lüften konnten.« [weiter]


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